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00. Die Wartezeit

Die Buchung der Überfahrt nach Argentinien legt den Beginn der Reise auf den 28.09.2006 in Hamburg fest.

Ende Juni wird mit unserer Zustimmung der Abfahrtsort nach Antwerpen verlegt, weil nur eine bestimmte Anzahl von Passagieren auf dem Frachter sein dürfen. Das Abfahrtsdatum verschiebt sich auf den 30.09.2006

Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen. Das Warten beginnt. Da kommt die Mitteilung, dass der Frachter erst am 04.10.2006 in Antwerpen ankommen wird. Auf jeden Fall sollen wir aber mit dem Hafenagenten vor Ort Kontakt aufnehmen, da sich der Termin noch ändern kann.


  Anfahrt Antwerpen

Wir gammeln weiter zwischen den Stpl. Bad Hersfeld und Hünfeld. Zu unserer eigenen Überraschung ist aber immer wieder was zu regeln oder zu beschaffen. Für den 27.09.06 verabreden wir uns zu einem Abschiedsessen mit unseren lieben Freunden Petra und Werner.

Inzwischen bekommen wir vom Hafenagenten den 03.10.2006 als Abfahrtstermin genannt.

Am 29.09.06 starten wir trotzdem in Richtung Antwerpen. Bei einer erneuten Anfrage beim Hafenagenten erfahren wir, dass die Grande Buenos Aires am 03.10. um 14:00 Uhr in Antwerpen ankommt und den Hafen am 04.10. um 15:00 Uhr wieder verlässt. Wir sollen aber am 02.10.06 nochmals anrufen, falls sich etwas ändert. Der erneute Anruf bringt keine anderen Daten.

Wir machen vom 30.09. – 02.10.06 Station in Aachen.

01. Antwerpen am 04.10.06

Wir starten am 3.10.06 nach dem Mittagessen nach Antwerpen. Im Hafen erfahren wir, dass das Schiff heute nicht kommt. Es soll nun erst am 4.10. um 6:00 Uhr einlaufen. Zur Übernachtung lässt uns der Sicherheitsdienst nicht in den Hafen. Wir stehen etwas weiter weg von der Einfahrt zum Bereich 1333 neben der Straße auf einem Parkstreifen. Es ist keine gute Nacht.



  Truck vor der Grande Buenos Aires

Wir fahren wieder zum Tor. Da die Grande Buenos Aires eingelaufen ist, dürfen wir in den Hafen. Um 7:45 Uhr stehen wir neben dem Schiff.

Nach der Registrierung an der Schiffsrampe dürfen wir unsere Sachen in die Kabine 1213 bringen. Es ist genau 9:05 Uhr. Alle Kabinen sind im 12 Stock – 37 m über NN. Der Truck steht noch vorm Schiff.


  Liegeplatz 1333 Hafen Antwerpen

Es folgt ein erster Rundgang. Wir lernen die Mitreisenden kennen.
Pünktlich um 12:00 Uhr unser erstes Mittagessen.
Und schon wieder warten wir. Einmal, dass wir den Truck an Bord holen können und dann auf den Start Morgen früh.
Als wir ins Bett gehen, steht der Truck noch immer vorm Schiff. 

 02. Von Antwerpen nach Le Havre vom 05.10. – 06.10.06

Am nächsten Morgen um 5:00 Uhr schaffe ich es, dass man mir für den Truck einen Platz auf Deck 6 zuweist. Da erfahre ich auch, dass die Abfahrt auf  9:00 Uhr verschoben ist.

Frühstück ist um, 9:00 Uhr vorbei und die Grande Buenos Aires liegt noch immer am Kai. Um 9:20 Uhr löst sie sich dann mit Hilfe von Schleppern vom Kai, dreht im Hafenbecken und fährt langsam zur Schleuse. Jetzt sehen wir, dass hinter uns die Repubblica di Almalfi liegt. Auf dem Weg zur Schleuse kommt uns die Grande Nigeria entgegen, die unserem Schiff fast gleicht. Alle von Grimaldi.


   Schwesterschiff "Grande Nigeria"

Kurzer Schleusengang, dann sind wir in der Schelde und fahren nun nach Le Havre, wo wir Morgenfrüh ankommen sollen.

Die Schelde windet sich dem Meer entgegen und wird immer breiter. Rechts und links ausgedehnte Industrieanlagen. Auch ein AKW. Viele große und kleine Schiffe unterwegs.

Das Wetter wird schlechter, leichter Regen und Nebel kommt auf.

Abends um 21:00 Uhr sind wir auf der Höhe Dover / Calais. Unter uns, tief in der Erde, die Bahnstrecke des Eurotunnel zw. Frankreich und England. Letzte Position für diesen Tag genommen. Dann verziehen wir uns in unsere Kabine. Eine leicht unruhige Fahrt in der Nacht.
Die Einfahrt in den Hafen von Le Havre verschlafen wir. Wir werden erst wach, als das Schiff schon am Kai liegt. Die Ladetätigkeit ist minimal. Nach 12:00 Uhr ist der Kai schon leergefegt. Dann werden wir zu unserer Überraschung von zwei Schleppern an einen anderen Kai bugsiert. Hier neue Ladetätigkeit. Es werden PKW und andere Fahrzeuge geladen. Bis zum späten Abend sind keine Anzeichen zu erkennen, dass wir auslaufen.


   Hafen Le Havre

03. Von Le Havre nach Bilbao (Spanien) vom 07.10. – 09.10.06

 Das veränderte Geräusch der Motoren weckt mich um 1:45 Uhr. Wir sind in Fahrt. Wir dürften um 1:30 Uhr abgelegt haben, denn wir sind um 2:00 Uhr in der Hafenschleuse.

Wir kommen aus der Seinemündung und sind nun im Ärmelkanal. Rechts und links in großen Abständen weitere Schiffe. Die Sonne strahlt vom Himmel und die Stimmung ist gut. Die Geschwindigkeit liegt bei 36 km/h. Nächstes Ziel ist Bilbao in Spanien. Bis Bilbao sind es über 800 km.

Unsere Mahlzeiten nehmen wir zusammen mit dem Kapitän und den Offizieren ein.


  Der Kapitän der Grande Buenos Aires

Es ist ein unwahrscheinliches Wetter. Die Sonne scheint und das Meer ist ganz flach. Kleine Wellen. Das Schiff liegt vollkommen ruhig in der See. Man merkt nur ein wenig Vibration von den Maschinen und eine ganz leichte Schaukelbewegung.  

Um 10:30 Uhr sind wir noch ca. 160 km von Bilbao entfernt, das wir dann um 15:35 Uhr erreichen. In Bilbao beginnen sofort die Löscharbeiten.

04. Von Bilbao nach Casablanca (Marokko) vom 09.10. – 11.10.06

Gegen 4:00 Uhr werde ich wach, weil andere Geräusche zu hören sind. Da sind wir schon ca. 1 ½ Stunden auf See. Der Start in Bilbao ist für uns überraschend, denn nach div. Infos sollten wir erst heute Abend auslaufen.

Vom Regen steht das Deck voll Wasser. Es ist bewölkt und kühl. Alle halten sich innerhalb des Schiffes auf. 

Stunde um Stunde geht es nach Süden. Gelegentlich kommt ein kleines Schiff entgegen. Es wird Nacht, als wir etwa in der Höhe der Straße von Gibraltar sind.

Morgens um 5:30 Uhr sind wir in Casablanca. Nebel liegt über dem Hafen. Es dauert lange, bis die Entladung beginnt. Aus Sicherheitsgründen sind alle männl. Teilnehmer unserer Gruppe auf Deck 6 bei unseren Womos. Es gibt aber keine Probleme.


 Casablanca Große Moschee Hassans II.

Langsam löst sich der Nebel auf und die Große Moschee Hasans II. erscheint hinter den Hafenkränen. Schnell wird es feucht-heiß.

Die Ladearbeiten dauern bis zum Donnerstag Morgen. Um 8:35 Uhr geht es weiter nach Dakar.

Bis Casablanca haben wir schon 3.320 km zurückgelegt.

05. Von Casablanca nach Dakar (Senegal) vom 12.10. – 15.10.2006

Bei ruhiger See und Sonnenschein verlassen wir Casablanca. Die Große Moschee grüßt im Morgendunst nochmals zu uns herüber. Dann nimmt die Grande Buenos Aires Kurs auf Dakar. Bis dahin sind es ca. 2.500 km und ca. 92 Std. Fahrt.

Das Deck wird vom Zementstaub gereinigt, der von einem andern Schiff stammt und zu uns herübergeweht wurde. Wir sitzen in der Sonne und lesen.

Am 13.10.06 erreichen wir um 8:00 Uhr die Kanarischen Inseln. Lanzarote liegt

15 km querab nach Osten. Am Abend sind wir bereits 1.200 km südlich von Casablanca. Die Grande Buenos Aires zieht relativ gleichmäßig mit 33 – 35 km/h durchs Wasser. In 33 Std. sollten wir in Dakar sein, d.h. am Sonntag Morgen gegen 7:00 Uhr.

Bei sehr ruhiger, flacher See geht es entlang der Küste Marokkos (Westsahara).

Am 14.10.06 sind wir nachmittags um 14:00 Uhr in Höhe der Grenze zw. Marokko und Mauretanien. Bis nach Nouhadhibou in Mauretanien sind es 95 km. Der Ort liegt auf einer Halbinsel, die Grenzbereich zw. Marokko und Mauretanien ist.

Die Ankunft in Dakar wird jetzt für Sonntag bei 11:00 Uhr kalkuliert.

Um 12:10 pm liegen wir am 15.10.06 an der Pier in Dakar. Es ist wärmer und schwüler als bisher. Das Deck ist morgens nass vom Tau der Nacht. Auf der Fahrt viele Wolken. Derzeit ist in diesem Gebiet Regenzeit. Wir sind nun im Senegal.

Dakar vorgelagert eine kleine, dicht bebaute Insel. Die Stadt beginnt unmittelbar am Hafen. Mehrere Hochhäuser liegen nicht weit entfernt.


  Dakar vom Hafen

Die GrBA legt im Hafen mit eigener Kraft am Kai an. Schlepper/Bugsierer gibt es nicht.
Der Hafen ist nicht besonders groß, aber sauber und aufgeräumt.
Bald beginnen die Ent- /Beladungsarbeiten. Es gibt am Kai keine Kräne. Die Container werden vom Bordkran ab- und aufgeladen.
Die auf Deck 13 stehenden PKW werden einzeln vom Bordkran abgeladen. Die Ladearbeiten dauern bis nach 23:00 Uhr.

Bis Dakar sind bisher 5.800 km zurückgelegt. Die Strecke Casablanca – Dakar ist 2.470 km lang.

 06. Von Dakar nach Conakry (Guinea) vom 15.10. – 17.10.2006

Morgens starten wir in einen wolkenverhangenen Himmel, von dem einige Regentropfen fallen. Ich vermisse die brennende Sonne Afrikas. Beim Studium der MS Encarte stelle ich dann fest, dass an diesem Küstenabschnitt bis November Regenzeit ist.

Am späten Nachmittag sind Delphine am Schiff. Leider haben wir uns in der Kabine aufgehalten. Später können wir dann Fische sehen, die die See aufwühlten. Ob dies die fliegenden Fische sind? Denn über dem Fischschwarm sind Vögel!

Es sind welche gewesen, denn alle Merkmale aus der MS Encarta treffen zu, insbesondere die Größe, die bräunliche Farbe und das Flugverhalten.

Beim Flug steigen die Fische bis zu etwa elf Meter in die Höhe und können insgesamt über 200 Meter weit gleiten, wobei sie zwar mehrmals auf dem Wasser aufsetzen, jedoch nicht eintauchen. Ihre durchschnittliche Fluggeschwindigkeit beträgt etwa 55 Kilometer pro Stunde. Oft steigt eine ganze Schule Fliegender Fische gleichzeitig zu Gleitflügen auf, was sehr eindrucksvoll wirkt. Als Antriebsmittel für den Gleitflug dient nur der Schwanz bzw. der untere Schwanzflossenlappen.

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   Fliegender Fisch

Im gleichbleibenden Tempo fahren wir auf Conakry zu. Morgens, in der Dunkelheit, gegen 5:00 Uhr, sind wir am 17.10.06 ca. 10 km vorm Hafen und können nicht einlaufen. Das Schiff dümpelt neben den vorgelagerten "îsles de los Cité de Kassa". Es geht nicht voran. Später erfahren wir, dass der/die Lotsen nicht erreichbar waren.

Erst gegen 9:00 Uhr nimmt die GrBA einen Lotsen an Bord und Fahrt auf. Langsam geht es in die mit Bojen markierte Hafeneinfahrt.
Es muss ein problematischer Hafen sein, denn wir zählen neben der Fahrrinne mehr als 5 gesunkene Schiffe. Selbst im Hafen liegt ein gesunkener Frachter.
Eigentlich ist der Kai belegt. Als die GrBA endlich um 9:25 Uhr festgemacht hat, sind an Bug und Heck nur wenige Meter Zwischenraum zu den anderen Schiffen. Eine gute Leistung des Steuermanns.
Es dauert lange, bis die Heckklappe abgesenkt wird. Conakry ist ein enger und schmuddeliger Hafen. Durch ein Zementwerk wird die Luft wieder verpestet. Auf dem Kai viele "Sehleute". Direkt unter uns ein offener Hydrant. Waschplatz für Kleidung und Körper sowie gleichzeitig Trinkwasserstelle. 

Bis Conakry sind wir bis jetzt schon 14 Tage unterwegs und 6.700 Kilometer immer dicht unter der Küste Europas und Afrikas gefahren. Damit ist schon ein Drittel der Seereise abgespult.
 

07. Von Conakry nach Salvador (Brasilien) vom 17.10. – 22.10.2006

Nun kommt der Abschnitt über den Atlantik, mit der Überquerung des Äquators.
 
Mit Kurs SW 228° geht es hinaus auf den Atlantik, der flach wie ein Brett ist. Bis zum nächsten Hafen, Salvador in Brasilien, sind es über 3.700 km nur auf See. Gut 5 Tage sind für diese Strecke angesetzt.

 Die Überquerung des Äquators haben wir visuell nicht miterleben dürfen. Nachts nach 3:30 am UTC – 3 muss es gewesen sein. Der Kapitän hat dieses Ereignis uns gegenüber überhaupt nicht beachtet. Keine Taufe – keine Urkunde!

Die Fahrt ist leicht ermüdend, denn es tut sich im und auf dem Wasser gar nichts. Keine Schiffe, keine Delphine, keine Wale. 

Am 17. Tag auf der Grande Buenos Aires gibt es für die Mannschaft und uns einen "Emergency Drill". Wir müssen alle die Schwimmwesten anlegen und uns auf Deck 13 versammeln. Für uns ist es nicht viel, denn die Italiener und die Inder sprechen ein fürchterliches Englisch, dass man kaum versteht.

Man versuchte uns zu erklären, wie das Rettungsboot ins Wasser gelassen wird. Im Notfall würden wir es kaum schaffen. Mit den Schwimmwesten haben wir uns auch selbst abgequält. Für die Mannschaft gab es noch eine Feuerlöschübung.

Dann ein weiterer ereignisreicher Tag. Am frühen Morgen werden zwei Schiffe gesichtet. Das eine ist die Grande Argentina von Grimaldi auf Gegenkurs, also nach Conakry. Dann eine Möwe und am frühen Nachmittag backbords, in beträchtlicher Entfernung, ein Wal, der mehrmals auftaucht. Das wars dann wieder.

Täglich stellen wir die Uhr um eine Stunde zurück, so dass wir in Brasilien – 5 Stunden gegenüber D haben.
 

Regenverhangener Himmel, als wir aus dem Fenster schauen. So bleibt es den ganzen Tag bis zu unserer Ankunft am 22.10.06 in Salvador in Brasilien. Das haben wir uns auch anders vorgestellt. Eine Strecke von 10.500 km ist zurückgelegt. Ab unserem Start in Antwerpen sind wir jetzt 18. Tage unterwegs.

Es ist schon um 5:00 Uhr am hell. Wir sind nach draußen und haben nachgeschaut, was sich auf dem Kai tut. Bis 7:30 am nicht viel. Dann kommen nach und nach einige Leute. So ab 8:00 am werden dann PKW ausgeladen und neben dem Schiff aufgestellt. Die Fahrzeuge standen auf Deck 7 und 8 und wurden über unser Deck 6 (Standort Womos) weggefahren. Deshalb haben wir einen Sicherheitsdienst organisiert, damit nicht in die Womos eingebrochen wird.


   Pkw werden ausgeladen

Das Wetter ist recht regnerisch. Wg. unserem Sicherheitsdienst und dem trüben Wetter will keiner der Gruppe in die Stadt.

Vom Schiff blickt man hinter dem Hafen auf einen Hügel, auf dem durchweg nur marode Bausubstanz steht. Meist vergammelte und beschädigte Häuser. Auch etliche Slums. Dazwischen einige barocke, ebenfalls stark vergammelte Kirchen. Etwa 2 – 3 km entfernt das Geschäftszentrum mit Hochhäusern. 

08. Von Salvador nach Rio de Janeiro vom 23.10. – 26.10.06

Von Salvador nach Vitória vom 23.10. – 25.10.06]

Es folgen ereignislose Stunden und Tage auf See bei weniger gutem Wetter.

Am 24.10. gehen wir um ca. 4:00 am auf Reede vor Vitória. Da liegen wir dann mit insgesamt 14 Schiffen gegenüber von Vila Velha, einer Stadt mit einer langen Hochhauslinie und gelbem Strand. 

Bis um 14:00 pm dümpeln wir dahin. Dann geht es ganz langsam auf die Küste zu. Nun erwartet uns eine besondere Überraschung, denn der Hafen von Vitória liegt in einem Fjord. Es kommt der Lotse an Bord und zwei Schlepper fahren Backbord neben uns her.

Der Fjord wird immer enger und Felseilande begrenzen den Fahrweg. Auf Steuerbord dann die Stadt mit Hochhäusern etc. Es geht unter einer Brücke hindurch und beiderseits immer mehr Bebauung. Vor uns Vitória vor einer reich gegliederten Bergkulisse.


   Hafen Vitória

Langsam schiebt sich die Grande Buenos Aires immer tiefer in den Fjord, einmal ganz dicht an Felsen vorbei.
Es dauert zwei Stunden für die Strecke von 12 km von der Reede bis zum Kai.
Zum Schluss dreht sich die GrBA noch um 180° vor der Hochhauskulisse inmitten der Stadt. Insgesamt die schönste Hafeneinfahrt, die wir je erlebt haben.

Von Vitória nach Rio am 26.10.06 

Um 1:30 Uhr geht es dann weiter. Leider sehen wir bei der Nachtfahrt nichts von der wunderschönen Landschaft um Vitória.

Morgens, als wir wach werden, sind wir schon bald 200 km von Vitória entfernt. Bei strahlendem Sonnenschein und kabbeliger See gehts Kurs SW / W entlang der brasilianischen Küste nach Rio. Unterwegs begegnen uns einige Schiffe, darunter auch die Grande de Brasil von Grimaldi.

Bei Cabo Frio gibt es dann einen großen Schlenker und der Kurs ändert sich auf W.

Etwa bei 16:00 Uhr beginnt die Einfahrt nach Rio de Janeiro, die landschaftlich ebenfalls sehr schön ist. Bald ist der Zuckerhut ausgemacht und ein weiterer imposanter Kegel, auf dem die Christusfigur steht.


Rio – Zuckerhut voraus

Leider steht die Sonne im Westen. Damit ist die Fotoleidenschaft stark getrübt. Es gibt jedoch so viel zu sehen, dass wir voll beschäftigt sind. Steuerbords ragt ein Fort bis weit in die Fahrrinne. Backbord starten von einem kleinen Flughafen etliche Maschinen. Mitten im Weg wird eine Bohrinsel gezogen. Fährboote kreuzen in allen Richtungen unseren Weg. Die Hilfe eines Lotsen ist ebenfalls erforderlich, der bald an Bord gebracht wird. Später kommen dann die Schlepper.
Als wir dicht vorm Kai sind, steht die Sonne ganz tief im Westen und es gibt noch einige Stimmungsaufnahmen.

In Rio während der ganzen Nacht Ladetätigkeit. Deck 6 ist während der gesamten Zeit betroffen. Zuerst werden PKW von Deck 6 entladen. Dann werden auf Deck 7 neue PKW geladen. Schließlich werden auf Deck 6 – im Bereich in dem wir stehen – etliche Fahrgestelle von VW LKW gestellt.

Wir sind abwechselnd mit zwei Mann während der ganzen Nacht bei unseren Fahrzeugen. Rundum die Brasilianer, die die Fahrzeuge bringen und später befestigen. Nik und Hans müssen Deck 6 verlassen. Mich bittet der Chief Mate, als wir Deck 6 verlassen und gemeinsam nach Deck 12 fahren, das Deck 6 nicht mehr zu betreten bzw. nur mit Begleitung. Das schafft für Santos und Zarate neue Fakten. 

09. Von Rio de Janeiro nach Buenos Aires vom 27.10. – 01.11.06


Von Rio nach Santos vom 27.10. – 28.10.06

Bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Rio haben wir kein Glück mit dem Wetter. Der regnerische und wolkenverhangene Himmel verwandelt die Berge in eine graue Landschaft. Wir fahren wieder direkt am Zuckerhut vorbei. Dann geht’s hinaus aufs Meer und die See wird bewegter. Die Geschwindigkeit ist etwas gedrosselt.

Es ist eine lange Dünung und die GrBA neigt sich tief in die Wellentäler. Bei so einer Gelegenheit werden unsere auf dem Kühlschrank deponierten Sachen abgeräumt. Bei uns keine Anzeichen von Seekrankheit.

Vor Santos gehen wir auf Reede und sind in zahlreicher Gesellschaft. Wir schaukeln die ganze Nacht und immer wieder gibt es heftige und laute Schläge im/auf dem Schiff.

Am 28.10. bei Sonnenschein dann Einfahrt in die Bahia de Santos. Vom Schiff aus besteht der Eindruck, dass man auf einem Fluss fährt. In Wirklichkeit wird die Bucht von der Insel Sao Vicente ausgefüllt. Dadurch ergibt sich rings um die Insel eine Wasserstraße mit weiteren Buchten und Zuflüssen.


 Santos in der Bahia de Santos

Die beiden Städte Santos und Sao Vicente liegen auf der Insel. Der Hafen von Santos liegt auf der NO-Seite der Insel, so dass er gegen den Uhrzeiger anzufahren ist. Sobald die Insel erreicht ist und man sich quasi auf einem Fluss befindet, ziehen sich rechts und links der Strecke Hafenanlagen hin. Santos ist der größte Hafen Brasiliens und mit Sao Paulo durch Autobahnen und Eisenbahn verbunden.
Am nördlichen Rand von Sao Paulo verläuft auf –23,5° S der Südliche Wendekreis oder auch Wendekreis des Steinbocks genannt, den wir auf der Fahrt von Rio hierher gestern passiert haben.

Wendekreis des Steinbocks

Wendekreis des Steinbocks, Breitenkreis 23,5 Grad südlicher Breite. Da die Sonne zur Zeit der Wintersonnenwende im Tierkreiszeichen des Steinbocks steht, nennt man den südlichen Wendekreis auch Wendekreis des Steinbocks. Der Wendekreis des Steinbocks bildet die südliche Grenze der Tropen.

Zur Zeit der Sonnenwende kehrt die Sonne ihre scheinbare Bewegungsrichtung an den Wendekreisen in Richtung Äquator um (Am südl. Wendekreis ist die Sonne im Zenit am 21./22. Dezember).

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Von Santos nach Zarate vom 28.10. – 31.10.06

In Santos wird etliches entladen, aber m.E. noch mehr geladen. Vor allem werden weitere PKW und LKW (soweit erkennbar nur VW) an Bord genommen. Die Decks 3 – 8 stehen jetzt gerammelt voll.

Wir müssen lange auf den Lotsen warten. Als es dann losgeht, ist es Nacht. An den Kais beleuchtete Schiffe und in der Stadt ein Lichtermeer.

Die offene See hat sich beruhigt. Es gibt keine Schaukelpartie.

Bis Buenos Aires sind es jetzt nur noch zwei Etappen. Zuerst noch nach Zarate und dann für uns Endstation in Buenos Aires. Bis dahin sind es aber noch mehr als 1.000 km. In der Gruppe kommt schon Abschiedstimmung auf und die ersten Sachen aus der Kabine werden schon in den Womos verstaut.

Bei weniger schönem Wetter geht es immer weiter entlang der Küste Brasiliens. Dann sind wir vor Uruguay. Uruguay begrenzt die nördliche Seite des Rio de la Plata, der ungefähr am 55° Längengrad beginnt und man sich eine Linie hinüber nach Argentinien zum Punta Norte del San Antonio denkt.

Río de la Plata

Ästuar (trichterförmig erweiterte Mündung eines Flusses ins Meer) der Flüsse Paraná und Uruguay im Südosten Südamerikas, zwischen Uruguay und Argentinien. 

Nördlich von Buenos Aires befindet sich der Zusammenfluss von Paraná und Río Uruguay. Gemeinsam bilden sie den Mündungstrichter des Río de la Plata. Die dreieckige Ästuarmündung ist bis zu 300 Kilometer breit. Die Flüsse transportieren nicht nur gewaltige Wassermengen in den Atlantischen Ozean, sondern auch Unmengen an Schlamm und Schwebstoffen. Daher weist das Ästuar viele Untiefen auf. 

Der Paraná-Uruguay ist nach dem Amazonas das größte Stromsystem in Südamerika. Montevideo (Uruguay) liegt an einem der besten Naturhäfen der Bucht. Die Häfen von La Plata und Buenos Aires (Argentinien) dagegen wurden künstlich angelegt.

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Der Rio de la Plata kann nur in einer Fahrrinne befahren werden. Vom Beginn der Fahrrinne bis zum Hafen in Zarate sind es jetzt noch mehr als 20 Std. Fahrt, da die Geschwindigkeit auf ca. 20 km/h zurückgenommen wird.

Mit stark vermindertem Tempo geht es den Rio de la Plata aufwärts. Wir fahren nun in einer braunen Brühe und sind in Argentinien und damit in Südamerika angekommen.


  Karte Argentinien

Am 31.10.06 liegt um 6:30 am OZ querab Backbord Buenos Aires. Eine dünne Hochhauslinie einige Kilometer von uns entfernt. Man kann wenig erkennen. Unser Ziel liegt zum Greifen nahe. Zuerst geht es aber weiter nach Zarate. 

Um 7:45 am OZ haben wir einen Mündungsfluss des Rio Paraná erreicht und fahren nun in einer üppig grünen Landschaft. Vorbei die Zeit, in der rund um uns nur Wasser zu sehen war.

Im Rio Parana ebenfalls nur eine schmale Fahrrinne. Das Wasser intensiv erdfarbig. Ein schöner Kontrast zu den dicht bewachsenen Ufern. Die Geschwindigkeit wird nochmals reduziert. Im Schnitt jetzt so zw. 15 und 18 km/h.

Bald nimmt die Besiedlung zu. Anfangs nur einige Hütten und Häuser, kommt bald eine fast durchgängige Besiedlung. Fähren kreuzen den Fluss und mehrere Kanäle/Bäche münden in den Rio Paraná.


 Rio Paraná

Bis nach Zarate sind es auf dem Parana etwa 70 km. Wir stehen auf Deck 13 und lassen die Landschaft an uns vorbeigleiten. Etliche Schiffe kommen uns entgegen und hie und da ist am Ufer eine Fabrik. Bis Zarate hat der Paraná viele Kurven und so bieten sich immer neue Ausblicke

In Zarate die Brücke für die Ruta # 14, die hier den Paraná überspannt. Die GrBA hat den Mast umgelegt, damit sie passieren kann. Gleich darauf die Kräne im Terminal Zarate. Im weitläufigen Gelände Autos und nochmals Autos. Es müssen mehrere Tausend sein. Wir machen um 13:00 pm OZ am Kai fest.

Wenn die Informationen stimmen, soll die Ladezeit 20 Std. dauern. Dann dürften fast alle Fahrzeuge aus der GrBA entladen sein. Neu an Bord sollen ca. 2.000 Fahrzeuge kommen.

Von Zarate nach Buenos Aires am 01.11.06

Die 20 Stunden Ladezeit sind wieder einmal nur ein Orientierungswert. Es wird die ganze Nacht und auch noch am nächsten Tag bis zum frühen Nachmittag geladen. Dann geht es den Rio Paraná zurück und über den Rio de la Plata nach Buenos Aires. Nach 14.350 km sind wir am Ende unserer Seereise und am Anfang der Reise

                                   "Von Feuerland nach Alaska"

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