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Der Bericht wurde von Dr.-Ing. Klaus Krombholz verfasst, mit dem wir einige Strecken in Südamerika gemeinsam gefahren sind.
Dr.-Ing Klaus Krombholz, Email: klaus.krombholz@t-oneline.de
1. Vorbemerkungen
Die Vision von einer Reise entlang der „Panamericana“ hatten wir, als es uns dafür noch an allen Voraussetzungen fehlte. Das betraf vor allem die durch das Berufsleben nicht verfügbare Zeit, aber auch die sehr beschränkten finanziellen Möglichkeiten.
So haben wir uns mit unseren Wohnmobilen, die im Laufe der Zeit immer etwas komfortabler wurden, zunächst in Deutschland und dann auch in Europa bewegt. Inzwischen hatten wir das aktive Berufsleben beendet und somit gab es für unsere Unternehmungen keine zeitlichen Einschränkungen mehr. Trotzdem wäre die oben genannte Vision im Rentneralltag fast aus dem Gesichtsfeld geraten, wenn wir nicht eines Tages in einer Zeitschrift das Angebot für eine geführte Wohnmobil-Reise entlang der „Panamericana“ durch Süd- und Mittelamerika gelesen hätten. Da wir trotz unserer Vision bis zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Kenntnisse von dieser Region und einer solchen Route hatten und auch das Spanisch nicht beherrschten, haben wir uns für diese Reise, die vom Veranstalter erstmalig durchgeführt werden sollte, kurz entschlossen angemeldet. Das war im Frühjahr 2005.
Zum Unglück oder Glück für uns kam diese Reise mangels ausreichender Teilnehmerzahl nicht zustande. Da die Vision von der „Panamericana“ nun wieder ins Blickfeld gerückt war, war diese Sache mit der Absage des Reiseveranstalters für uns natürlich nicht erledigt. Es begann ein intensives Überlegen, ob wir die Möglichkeit und vor allem auch den Mut haben, bei unseren nicht gerade optimalen Voraussetzungen dieses Unternehmen allein in Angriff zu nehmen.
Die erste und wichtigste Erkenntnis aus diesen Überlegungen war, dass sich unsere Voraussetzungen nicht verbessern, sondern eher verschlechtern, wenn wir noch eine Weile warten. Für einen „gutbürgerlichen Lebenslauf“ sind die Zeiträume, die für solche Unternehmungen zur Verfügung stehen, ohnehin sehr knapp bemessen. Man macht solche Dinge entweder vor seinem Berufsleben, oder während des Berufslebens für den Fall, dass man sich eine längere Auszeit leisten kann. Schließlich besteht eine letzte Möglichkeit nach dem Berufsleben. Alle drei Varianten fanden wir von Menschen mit ähnlichen Unternehmungen genutzt, denen wir auf unserer Reise begegnet sind. Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, die vor allem darin bestehen, dass man solche Unternehmungen mit seinem Beruf verbinden oder sich ein Leben als Globetrotter leisten kann. Auch solchen Leuten sind wir selbstverständlich unterwegs begegnet.
Da wir bisher alle anderen Möglichkeiten verpasst hatten, stand für uns nur noch der Zeitraum nach dem Berufsleben zur Verfügung und der wird durch das fortschreitende Alter mit den zunehmenden gesundheitlichen Einschränkungen, aber auch durch abnehmenden Unternehmungsgeist und verringerte Risikobereitschaft sehr schnell verkürzt. Bei unseren Geburtsjahren 1938 bzw. 1944 war auch im Jahre 2005 schon ein Teil des möglichen Zeitraumes für solche Unternehmungen verstrichen. Mit diesen und vielen weiteren Aspekten haben wir unsere Möglichkeiten sehr kritisch bewertet und dann entschieden, dass wir uns dieser Herausforderung stellen wollen.
Die Herausforderung bestand darin, mit unserem Wohnmobil innerhalb eines Jahres von Feuerland nach Alaska zu fahren, einschließlich der damit verbunden Anfahrt zum Ausgangspunkt und der Heimfahrt vom Endpunkt dieser Reise. Die Vorbereitung und Organisation dieses Unternehmens, zu dem auch der Erwerb von Minimalkenntnissen der spanischen Sprache gehörte, erfolgte im Verlaufe eines Jahres mit dem Ziel, im September 2006 in Richtung Südamerika zu starten.
Hätten wir, wie ursprünglich vorgesehen, die Reise mit Führung gemacht, wären uns Planungsarbeit, Sprachkurse und vieles andere mehr erspart geblieben und auch während der Reise hätte es auf vielen Gebieten wesentlich weniger Stress für uns gegeben. Erst durch die selbständige Planung und Durchführung wurde diese Reise jedoch tatsächlich zu unserem eigenen Unternehmen. Verbunden mit der wesentlich größeren Herausforderung für uns selbst waren somit auch das Erleben entsprechend intensiver und ertragreicher. Auch wenn wir gelegentlich unsere Bekannten, die im Schoß der Reiseleitung auf einer ähnlichen Tour gefahren sind, beneidet haben, möchten wir unsere Erkenntnisse und Erfahrungen aus der eigenständigen Vorbereitung und Durchführung nicht missen.
Sehr schnell wurde uns bei der Vorbereitung klar, dass es in der vorgesehenen Zeit nicht möglich sein wird, die besuchten Länder zu bereisen und dabei die einschlägigen Reiseführer abzuarbeiten. Unser Anspruch musste sich deshalb darauf reduzieren, mehr oder weniger auf der „Panamericana“ entlang der Westküste des Doppelkontinentes zu fahren, dabei einige der wichtigsten landschaftlichen und kulturellen Highlights zu erfahren und auf diesem Weg zu versuchen, einen kleinen Eindruck von diesen Regionen und ihren Bewohnern zu bekommen.
Eine der Besonderheiten im Vergleich zur Planung von Wohnmobilreisen in Europa war der zeitliche Ablauf. Es ist eine Fahrt durch Jahreszeiten und Klimazonen mit für uns nicht sehr geläufigen Bedingungen und Wetterverhältnissen. Wenn man die einschlägige Literatur bezüglich der besten Reisezeiten für die einzelnen Regionen studiert, dann ist es kaum möglich, sich bei dem von uns vorgesehenen Ablauf überall und immer im Optimum zu bewegen. Abgesehen von den uns besser bekannten Bedingungen in den gemäßigten Zonen ist dabei noch nicht einmal klar, ob für das Reisen im Wohnmobil die Regen- oder die Trockenzeit die bessere Variante ist. Zu diesen und den vielen anderen Themen haben wir versucht, uns mit Hilfe von Reiseliteratur und über Berichte von Reisenden im Internet, die es mittlerweile in großer Anzahl gibt, ein bisschen sachkundig zu machen. Außerdem haben wir unseren Bekanntenkreis nach seinen Verbindungen in die geplanten Reiseländer durchsucht und auf diesem Wege viele wichtige Ansprechpartner kennen gelernt und neue Freunde gewonnen, die uns nicht nur bei der Vorbereitung sehr geholfen haben, sondern teilweise auch vor Ort zur Verfügung standen. Sie waren für uns zunächst ein Anlaufpunkt „für alle Fälle“. Außerdem waren sie äußerst wichtige und interessante Gesprächspartner zu Lebensbedingungen und Befindlichkeiten in diesen Ländern, zu denen wir sonst aus der Position unseres Wohnmobils keinen Zugang gehabt hätten, und die wir als Erkenntnisse aus unserer Reise für unverzichtbar halten.
Nicht immer waren die Informationen aus den Reiseberichten eine echte Hilfestellung bzw. dazu angetan, uns für unser Unternehmen Mut zu machen. Leider verfahren viele Berichterstatter nach der Devise, dass eine dramatisierte Darstellung nicht nur wesentlich interessanter zu lesen ist, sondern auch zum Image des Autors beiträgt bzw. das Außerordentliche und Abenteuerliche der Reise unterstreichen soll. Natürlich haben wir auch Berichte gefunden, aus denen wir sehr viel Nützliches entnehmen konnten und die uns darin bestärkt haben, uns auf diesen Weg zu machen. Bei solchen Berichterstattern haben wir uns in der Regel persönlich bedankt.

Auf jeden Fall wussten wir aus den Berichten, dass in diesen Regionen eine ganze Menge Leute mit Wohnmobil oder ähnlichen Fahrzeugen unterwegs sind, was die eigene Motivation wieder etwas ankurbelte. Wir haben allerdings keinen Bericht gefunden, wo jemand als Alleinreisender unsere Route in einem Jahr und mit einem Wohnmobil wie dem unsrigen absolviert hat. Auch unter den Reisenden, die wir unterwegs getroffen haben, gab es entweder andere Routen oder längere Zeitspannen und natürlich in der Regel ganz andere Fahrzeuge.
Angesichts der Abenteuer, über die viele Reisende auf einer ähnlichen Route berichtet haben, verlief unsere Reise eher unspektakulär. Das heißt nicht, dass sie frei von Abenteuern war. Das Gegenteil ist der Fall. Alle Ereignisse mit negativem Anstrich waren jedoch niemals im Bereich einer existenziellen Gefährdung. Sicherlich hatten wir auch eine große Portion Glück, das es uns ermöglichte, unsere Route so wie geplant zu fahren und vor allem auch den Zeitplan, der ja für das Gelingen des Vorhabens sehr wichtig war, weitestgehend einzuhalten.
Während der gesamten Reise hatten wir keine gesundheitlichen Probleme, das Auto hat uns niemals im Stich gelassen, das Wetter war uns wohl gesinnt, die organisatorischen Problempunkte konnten wir termingerecht lösen und auch politische Unruhen mit möglichen Auswirkungen auf den Tourismus sowie Beeinträchtigungen unserer Sicherheit sind uns erspart geblieben. Wir und unser Wohnmobil sind also nach etwa einem Jahr, nach interessanter und anstrengender Zeit, vollgefüllt mit Eindrücken und Erlebnissen wohlbehalten wieder in der Heimat gelandet mit der Absicht und dem Mut zu weiteren ähnlichen Unternehmungen.
Der nachstehende Erfahrungsbericht, in dem wir zu wichtigen Punkten unserer Reise darstellen wollen, was und wie wir etwas gemacht haben und wie es uns dabei ergangen ist, kann sicherlich eine kleine Unterstützung für Gleichgesinnte sein und vor allem auch Mut machen, sich mit ähnlichen Voraussetzungen wie wir sie hatten auf einen solchen Weg zu machen. Nicht beschreiben und abbilden wollen wir die großartigen Landschaften, Kulturstätten und ähnlichen für Reiseberichte relevanten Dinge. Das haben viele andere Autoren sehr viel besser gemacht als wir das können. Informieren wollen wir vielmehr über die vielen kleinen Nebensächlichkeiten oder auch Selbstverständlichkeiten, die andere in ihren Berichten aus vielerlei Gründen aussparen, die aber nach unserer Auffassung und Erfahrung die profanen aber unverzichtbaren Voraussetzungen für solche Unternehmungen bilden.
Die Herausforderung war neben den besonderen Abenteuern und Erlebnissen, von denen wir ja nicht allzu viele hatten, vor allem die tägliche Planung der Etappen im Rahmen des vorgesehenen Rasters mit ihren sportlichen, kulturellen und sonstigen Aktivitäten (man kann ja nicht überall nur vorbeifahren), die Sicherung der Versorgung mit Kraftstoff, Trinkwasser, Gas und Lebensmitteln sowie die Entsorgung von Abwasser und Toilette, die Gewährleistung der Funktionsfähigkeit des Fahrzeuges und das Finden eines angemessenen Übernachtungsplatzes. Nicht zu unterschätzen ist auch ein Rezept für die lange Zweisamkeit auf dem engen Raum eines Wohnmobils. Die hatten wir selbstverständlich in unseren vielen Wohnmobilreisen schon ausgiebig geübt, jedoch keine Erfahrung, wie es uns unter den oftmals nicht ganz stressfreien Bedingungen und über diese ungewohnt lange Zeit ergehen würde. Auch hierzu mussten wir einige Überlegungen anstellen und unsere bisherigen Rezepte etwas erweitern, um aufkommenden Problemen wirkungsvoll zu begegnen.
Es besteht nun keineswegs die Absicht, durch unseren Bericht, dem vielleicht die dramatischen Erlebnisse fehlen, ein solches Unternehmen zu entzaubern. Wir haben jedoch sehr gern auf eine bestimmte Art von Dramatik verzichtet und uns dafür von den bereisten Ländern mit Ihren Menschen und Landschaften verzaubern lassen. Trotzdem sind wir auch sehr gern wieder nach Hause gefahren.
2. Die Route und der zeitliche Ablauf
Grundlage der Planung war zunächst die Vision, entlang der „Panamericana“ zu fahren. Diese, als eine der „Traumstraßen der Welt“ beschriebene Route, geht von Ushuaia auf Feuerland nach Anchorage in Alaska (oder auch umgekehrt) und ist in einer der von uns benutzten Quellen mit etwa 24.500 km ausgewiesen. Beim genaueren Hinsehen stellt man fest, dass es die „Panamericana“ bzw. den Pan-American Highway nicht als eine durchgängige Straße gibt. Es ist vielmehr ein System von Hauptverkehrsstraßen, die Nord-, Mittel- und Südamerika von Alaska bis Feuerland miteinander verbinden. Dabei sind diese Hauptverkehrstraßen, vor allem im Süden von Argentinien und Chile teilweise auch nur einfache Schotterpisten.
Auf der anderen Seite wurde auch im Osten von Südamerika ein Highway, der von Buenos Aires nach Norden führt, als „Panamericana“ ausgewiesen. Der nördliche Streckenabschnitt von Fairbanks in Alaska bis Dawson Creek in Canada wird Alaska Highway genannt. In Mexiko und Mittelamerika heißt die Straße Carretera Interamericana (Inter-American Highway), in Südamerika Carretera Panamericana. Ein Abschnitt des Pan-American Highway, der so genannte Darién-Gap, ist nicht existent. Das ist ein Abschnitt von etwa 160 Kilometern, zumeist Dschungel, zwischen Ostpanamá und dem Nordwesten von Kolumbien. Diese Lücke zu überbrücken war eine besondere Herausforderung bei unserer Reise.
Selbstverständlich wollten wir bei unserer Reise nicht an die Rekordunternehmen für diese Strecke anknüpfen und so schnell wie möglich von Feuerland nach Alaska fahren, sondern auch noch einige der landschaftlichen und kulturellen Highlights der bereisten Länder genießen. Unter diesem Aspekt ist die im Bild dargestellte Route zustande gekommen, auf der wir zwischen Feuerland und Alaska statt der 24.500 km etwa 40.000 km gefahren sind und für die An- und Abreise zu bzw. von diesen Endpunkten nochmals etwa 20.000 km benötigt haben.
Ein entscheidender Gesichtspunkt der Routenplanung war die Reisezeit. Wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist, dann sind weder Kältegrade noch extreme Hitze besonders angenehm. Niederschläge, ob als Regen oder Schnee, können in den bereisten Ländern die Straßen für längere Zeit unpassierbar machen und die Zeiten der Hurrikans sowie der Waldbrände sollten ebenfalls möglichst gemieden werden. Neben den Wetterkatastrophen sind diese Regionen auch noch für andere, meist noch weniger kalkulierbare Ereignisse prädestiniert, wozu neben Erdbeben und Vulkanausbrüchen schließlich auch politische Unruhen gehören.
Bei der Analyse der optimalen Reisezeiten, die in Reiseführern gelegentlich angegeben werden, mussten wir sehr schnell feststellen, dass wir dieses Optimum nur an einigen Punkten erleben können. Dazu gehörte auf jeden Fall unser südlicher Wendepunkt auf Feuerland. Dort war bereits der Frühling eingezogen. Mit kurzen Schneefällen wurde man aber doch noch an den scheidenden Winter erinnert. Für das Hochland von Peru hatten wir in den Reisführern die Monate Juni bis Oktober als gute Reisezeit ermittelt. Wir wollten dort jedoch etwa im Januar sein. Das Wetter war im Januar für uns dann trotzdem erträglich und hat unsere Unternehmungen in keiner Weise beeinträchtigt, wenn man davon absieht, dass eine angedachte Exkursion in das Amazonasgebiet wegen der Regenfälle zu diesem Zeitpunkt nicht möglich war. Für die zur gleichen Zeit bereiste Küstenregion von Peru gelten natürlich wieder ganz andere Bedingungen.
Wir haben dann die Reiszeiten aus den Reiseführern nicht mehr in Betracht gezogen und uns für unsere Routenplanung am Stand der Sonne und der damit verbundenen Jahreszeit orientiert. Wie aus der Grafik ersichtlich ist, haben wir auf unserer Fahrt durch die Jahreszeiten zweimal die Sonnenbahn gekreuzt. Das erste Mal war dies der Fall auf unserer Seereise von Hamburg nach Buenos Aires, etwa in der Höhe 11,6° Süd vor der Küste von Südamerika. Von da ab stand die Sonne für uns im Norden bis zum zweiten Kreuzen der Sonnenbahn im Norden von Chile. Das war Ende Dezember etwa auf der Höhe des südlichen Wendekreises. Ab diesem Zeitpunkt stand die Sonne für uns, so wie wir es gewohnt sind, wieder im Süden.

Wir haben nun versucht, im Abschnitt zwischen dem südlichen und dem nördlichen Wendekreis möglichst weit vor der Sonne, d. h. im zeitigen Frühjahr, zu fahren in der Hoffnung, dass dies auch eine günstige Jahreszeit für die subtropischen und tropischen Regionen ist. Das hat sich weitestgehend bestätigt. Wir hatten auf jeden Fall keine extremen Regenfälle. Trotzdem waren die Temperaturen und oftmals auch die Luftfeuchtigkeit in solchen Bereichen, in denen wir mit unseren gemäßigten Gewohnheiten schon ganz schön zu leiden hatten. Das betraf vor allem Ecuador und Mittelamerika. In diesen Ländern ist es meist jedoch auch möglich, in die Bergregionen mit ihrem für uns sehr angenehmen Klima auszuweichen.
Die Grafik zeigt auch, dass wir den in Peru „erfahrenen“ Vorsprung vor der Sonne in der Folgezeit halten konnten, aber damit vielleicht ein bisschen zu zeitig auf dem Colorado-Plateau und in den Bergen von Californien waren. Dort hatte an einigen Stellen die Saison noch nicht begonnen, so dass wir auch nicht zum North-Rim des Grand Canyon kamen. In dieser Region erlebten wir unsere kältesten Tage und Nächte. Dafür bescherte uns dieses Zeitregime einen Aufenthalt in Alaska unmittelbar nach der Sonnenwende, wo wir an vielen Tagen vergeblich auf den Sonnenuntergang warteten und dann an unserem nördlichen Umkehrpunkt am Polarkreis 24° C und in Fairbanks an zwei Tagen sogar 31° C vermerkten. Bei unserer abschließen Durchquerung von Canada gab es sehr angenehme Bedingungen mit Ausnahme der nochmals sehr heißen Tage beim Durchfahren der Prärie. Leider war zu dieser Zeit die Farbenpracht des Indian-Summer erst zu erahnen. Dafür aber hatten die Moskitos ihre Hauptsaison schon hinter sich, was ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.
Voraussetzung für das vorgesehene Zeitregime war die rechtzeitige Passage von Süd- nach Mittelamerika, die ja wegen des Dairen Gap mittels Schiff und Flugzeug zu absolvieren war. Dafür war der Zeitraum von Mitte Februar bis Mitte März vorgesehen. Mit einigen Problemen, über die an anderer Stelle noch etwas ausführlicher zu berichten sein wird, haben wir das Anfang der dritten Februardekade geschafft.
Durch diese Passage, die wir erst vor Ort konkret organisieren und buchen konnten, wurde der Reiseablauf in Südamerika leider etwas beeinträchtigt. Vielleicht hätten wir an einigen Stellen länger verweilt oder auch noch ein paar Schleifen mehr gemacht, wenn die Unsicherheiten mit diesem Reiseabschnitt nicht gewesen wären. Schließlich geht es bei einem solchen Unternehmen niemals ohne Kompromisse, die wir an dieser Stelle im Interesse des Gesamtverlaufes einfach eingehen mussten.


Neben dem Wetter waren vor allem auch die Straßenverhältnisse ein wichtiger Aspekt für die Routenplanung. Da wir von Südamerika im Vergleich zu Nordamerika nur sehr schlechte bzw. spärliche Karten und sonstige Unterlagen hatten, gab es bei der Bewertung der Straßenverhältnisse in dieser Region und den damit verbundenen möglichen Tagesetappen große Unsicherheiten. Von den Straßenverhältnissen und besonders auch von den unbefestigten Straßen/Wegen, die im Süden des Kontinentes unvermeidbar sind, wenn man bestimmte Highlights erreichen will, hatten wir schon einiges gelesen und gehört, aber nicht die geringste Erfahrung, wie wir uns mit unserem Wohnmobil auf solchem Untergrund bewegen würden.
Die Analyse der Routen von einschlägigen Reiseveranstaltern sowie die Berichte von Reisenden, die auf ähnliche Art und Weise in dieser Region unterwegs waren, hat uns dann ein erstes Gefühl für diese Bedingungen vermittelt, auf dem wir dann unsere Routenplanung aufgebaut haben. Dieses Gefühl war dann im Verlaufe der insgesamt etwa 3.300 km unbefestigter Straßen/Wege der unterschiedlichsten Kategorien mehrfach zu korrigieren. Trotzdem sahen wir uns nicht zu grundlegenden Veränderungen unseres Routenplanes veranlasst. Die Pisten waren einmal schlechter und einmal besser als befürchtet bzw. erwartet. Es gab auch Pisten an solchen Stellen wo wir gemäß Karte nicht damit gerechnet hatten oder auch eine herrliche Asphaltstraße an Stelle der noch auf der Karte verzeichneten Piste. Zu den ungeplanten Behinderungen zählten beispielsweise auch gefahrene Umwege, auf die wir wegen fehlender Hinweisschilder oder falscher Auskünfte gerieten, oder auch kilometerlange Baustellen, die dann oftmals noch wesentlich schlechter als die normalen Pisten zu befahren waren.
Eine falsche bzw. von uns falsch interpretierte Auskunft hat uns schließlich in Peru auf eine Strecke durch den Pato-Canon und das Rio Santa-Tal geführt, die wir mit unserem Wohnmobil besser gemieden hätten. Diese Fahrt, bei der ein umkehren nicht möglich war, rechnen wir zu unseren Abenteuern, das wir aber letztendlich doch noch ganz gut überstanden haben, unser Wohnmobil hat dabei jedoch einige Blessuren davongetragen.
Weitere Überlegungen für die Routenplanung waren folgende:
1. Die Iguassu-Wasserfälle im Dreiländereck Argentinien/Brasilien/Paraguay wollten wir gern besuchen. Ursprünglich hatten wir diesen Abstecher mit dem Flugzeug von Buenos Aires aus unternehmen wollen, haben uns dann aber doch für die Fahrt mit dem Wohnmobil entschlossen mit der Konsequenz, ein Stück der Strecke auf gleichem Weg wieder zurückfahren zu müssen. Wir haben diese Variante nicht bereut. Zum Ausgleich wurde auf den Abstecher nach Uruguay verzichtet, was uns zwei Grenzübertritte weniger beschert hat, aber auch das Versäumnis eines Besuches bei guten Bekannten.
2. Die ursprünglich geplante kurze Fahrt durch Bolivien über La Paz haben wir nicht gemacht. Auch dadurch gab es zwei Grenzübertritte, die immer ein bisschen Stress verursachten, weniger. Der Verzicht auf den Besuch von La Paz schien uns verschmerzbar. Leider kam damit auch der Titicaca-See etwas zu kurz. Dafür haben wir das sehr attraktive Arequipa und den Colca-Canyon in Peru kennen gelernt.
3. Kolumbien wäre bei einer Passage nach Mittelamerika von Carthagena aus auf dem Programm gewesen. Für eine Alleinfahrt durch Kolumbien hatten wir jedoch einige Sicherheitsbedenken, die durch offizielle Aussagen auch immer wieder gestützt wurden. Wir haben einige Reisende getroffen, die sich in diesem Land, das immer wieder als äußerst attraktiv geschildert wurde, unbeschadet aufgehalten hatten. Wir haben uns trotzdem gegen Kolumbien entschieden und die Passage nach Mittelamerika von Ecuador aus gemacht, was sich zum damaligen Zeitpunkt auch im Nachgang als richtige Entscheidung herausstellte.
4. In Mittelamerika sind wir nicht durch El Salvador gefahren und auch in Guatemala nur im Norden gewesen, wodurch wir sicherlich in Guatemala einige Highlights versäumt haben.
5. Die Route durch Mexico wurde dadurch bestimmt, dass wir einerseits auf einer vorangegangenen Reise die wichtigsten kulturhistorischen Stätten der Mayas und Azteken bereits besucht hatten und andererseits im Hochland von Mexico an zwei Stellen Freunde besuchen wollten. Damit haben wir auf die Baja-California verzichten müssen, die bei solchen Unternehmungen meist mit auf dem Programm steht. Wir waren jedoch der Meinung, dass wir die dort typischen Landschaften in ähnlicher Form bereits in Südamerika erlebt hatten. Als Ausgleich haben wir uns dann etwas ausführlicher im Copper-Canyon umgesehen.
6. Die Aufenthalte in den USA und Canada waren hochgradig durch die geltenden Einreisebestimmungen beeinflusst. Für beide Länder hatten wir kein Visum und mussten uns dadurch jeweils mit einer Aufenthaltsdauer von 90 Tagen begnügen. Bezüglich der USA bedeutete dies, dass wir nach 90 Tagen von Alaska aus wieder in Canada einreisen mussten. Diese Zeit hat uns trotzdem für die ziemlich ausführliche Runde durch den Westen der USA mit seinen landschaftlich überwältigenden Nationalparks gereicht.
7.Die Inline-Passage nach Vancouver-Island wollten wir ursprünglich in Skagway starten. Dafür hätten wir jedoch nochmals in die USA einreisen müssen, was bei der abgelaufenen Green-Card nicht möglich war. Auch die Rückreise nach Europa musste aus diesem Grunde von Halifax (Canada) statt von Baltimore (USA) aus erfolgen.
Insgesamt stimmen die gefahrene Route und auch das Zeitregime weitestgehend mit unseren Planungen überein. Das Ergebnis ist im Bild zusammen mit der 24.500 km - Variante dargestellt. Erkennbar ist, dass wir vor allem in den USA und auch in Canada sehr stark von dieser Variante abgewichen sind.
Die einzelnen Tagesetappen mit ihren Pistenanteilen, den Stellplätzen und den Wetterverhältnissen sind im Anhang lückenlos dargestellt. Über die 309 Tage, die wir in Amerika waren und die auch alle Ruhetage ohne Fahrzeugbewegung enthalten, wurden im Durchschnitt täglich 191 km gefahren, mit folgenden Werten in den drei zu differenzierenden Regionen:
gefahrene km Tage km/Tag Südamerika 21723 110 197 Mittelamerika und Mexico 9239 56 165 USA und Canada 28169 143 197
Wir hatten es also in Nordamerika genau so eilig wie in Südamerika.
Bei den Notizen zum Wetter haben wir neben den Tages- und Nachtemperaturen auch täglich bis zu zwei Worte zur Charakterisierung zugelassen. Die eingetragenen Tagestemperaturen liegen bei 90 bis 95 % des gemessenen Maximums, für die Nachtemperaturen wurden die Werte früh zwischen 5 und 6 Uhr genommen, wo es in der Regel den Tiefststand gab. Natürlich war das Wetter meist vielgestaltiger, als man es mit zwei Worten ausdrücken kann, für unsere Belange war das jedoch ausreichend. Eine zusammengefasste Übersicht der Temperatur- und Wetteraufzeichnungen für die einzelnen Regionen ist in der Anlage enthalten.
Nach unserer Auffassung entsprach das Wetter den betreffenden Jahreszeiten. Ungeachtet dessen schien es uns in der Regel recht wohlgesonnen zu sein, denn von den 345 Tagen (hier sind die Tage der Seereise mit enthalten) hatten wir nur 3 Regentage und insgesamt 54 Tage (etwa 16 %), an denen Regen mit im Spiel war. Damit sahen wir uns recht gut bedient.
Die hier fehlende detaillierte Beschreibung des Reiseverlaufes mit seinen einzelnen Etappen wird für den gedachten Zweck dieses Berichtes dadurch kompensiert, dass in der Anlage eine lückenlose Übersicht über alle unsere Reisetage mit den zurückgelegten Entfernungen gegeben ist. Daraus ist ersichtlich, was wir jeden Tag so gemacht bzw. geschafft haben. Das dürfte dann auch für andere Reisende mit ähnlichen Voraussetzungen eine gewisse Orientierung sein.
3. Unser Wohnmobil und die Straßenverhältnisse
1996 hatten wir unseren VW-Bus gegen einen Hymer-Magic (Fiat-Ducato Kastenwagen mit Hochdach) eingetauscht und 2001 das derzeitige Fahrzeug erworben. Es ist ein teilintegriertes Bürstner-Wohnmobil auf Basis Fiat-Ducato, der mit dem ALKO-Fahrgestell kombiniert ist. Motorisiert ist es mit dem 2,8 l i.d.TD mit 90 kW.

Unser Wohnmobil
Mit diesem Fahrzeug sind wir vor unserer Reise in Europa etwa 56.000 km unterwegs gewesen. Bei der Anmeldung zu der Geführten Reise im Jahre 2005 gab es vom Reiseveranstalter keine Anforderungen bezüglich des Fahrzeuges, obwohl da auch schon von einigen Wegstrecken auf unbefestigten Straßen die Rede war. Vor diesem Hintergrund hatten wir zur Eignung unseres Fahrzeuges für diese Tour keine weiteren Überlegungen angestellt.
Beim Studium von Reiseberichten aus dieser Region haben wir dann festgestellt, dass man dort doch mit anderen Fahrzeugen unterwegs ist. Es waren in der Regel relativ geländegängige Fahrzeuge unterschiedlichster Konzepte, die bis zu Expeditionsfahrzeugen auf allradgetriebenen LKW-Fahrgestellen reichten. Entsprechend abenteuerlich sind dann meist auch die Routen beschrieben, auf denen man sich mit diesen Fahrzeugen bewegt hatte. Da kamen erste Zweifel auf, ob wir für unser Unternehmen mit dem richtigen Fahrzeug ausgestattet sind.
Diese Zweifel haben wir dann damit abgetan, dass wir ja nicht beabsichtigen, solche abenteuerlichen Routen zu fahren und mit Ausnahme der unvermeidlichen Pistenstrecken auf den südlichen Abschnitten (Ruta 40 in Argentinien und Carretera Austral in Chile) immer schön auf den gut asphaltierten Hauptstraßen bleiben wollen. Wie sich dann vor Ort herausstellte, war dies leider ein kleiner Trugschluss.
Die Straßen auf unserer Route waren zum überwiegenden Teil in gutem Zustand und auch entsprechend zu befahren. Das gilt selbstverständlich in erster Linie für die USA und Canada, wo auch die Pistenstrecken durch ihren Pflegezustand in der Regel keine Probleme bereiteten. Etwas anders war es in Lateinamerika, wo man auch auf guten Wegen niemals vor bösen Überraschungen in Form größerer Löcher, Steine, verlorener Ladung u.ä.m. sicher war. Das galt insbesondere für Ecuador und Peru und teilweise auch für Mittelamerika und Mexico. Manche Strecken bestanden ausschließlich aus Schlaglöchern. Erwähnt wurde bereits, dass auch Straßen, bei denen man mit durchgängiger Asphaltierung gerechnet hatte, plötzlich in Schotterpisten oder kilometerlange Baustellen übergingen. In Argentinien und Chile mussten wir mehrfach provisorische Pisten befahren, die als Umleitung über viele Kilometer neben der im Bauzustand befindlichen Hauptstraße im Gelände angelegt waren.
Trotz der Absicht, schön auf den guten Straßen zu bleiben, ist man somit immer wieder auch auf solche ungewollten Strecken geraten, die unserem Fahrzeug mit ihrem meist noch schlechtem Pflegezustand (tiefe LKW-Spuren, Löcher, Querrinnen u.ä.m.) doch gelegentlich einige Probleme bereiteten. In folge seiner relativ geringen Bodenfreiheit war unser Wohnmobil unter solchen Bedingungen oftmals nicht die Ideallösung. Auch auf Steigungen mit Geröll haben wir uns manchmal mit dem Frontantrieb im Grenzbereich unserer Möglichkeiten bewegt. Wir sind aber niemals hängen geblieben und auf allen unseren Wegen immer mit eigener Kraft und auch ohne die Nutzung von Rutschhemmern oder Sandblechen, die wir gar nicht dabei hatten, durchgekommen.
Unvermeidbar waren allerdings gelegentliche Bodenberührungen, die zum Glück jedoch niemals an funktionswichtigen Stellen wie z. B. der Ölwanne, dem Getriebegehäuse oder dem Klimakühler stattfanden. Durch entsprechende Fahrweise konnte das auf den Aufbau beschränkt werden, wo der Abwassertank und einige Stellen der Karosserie etwas in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Auf solchen Straßen kommt man meist nicht besonders schnell voran. Möglich sind auf einigen Abschnitten gelegentlich auch mal 70 bis 80 km/h. Oftmals muss man sich jedoch mit 15 km/h begnügen. Die einheimischen Fahrzeuge und Fahrer, die natürlich wesentlich besser auf diese Bedingungen eingestellt sind, fahren meist etwas schneller. LKW, „hochbeinige“ Busse und die sehr stark verbreiteten Pick-Up sind die Fahrzeugpalette, die sich dann auch auf den sehr unangenehmen „Waschbrettpisten“ im „überkritischen“ Bereich bewegen. Dabei wird nicht durch, sondern über die Querrinnen gefahren bzw. geschwebt. Wir haben das auch versucht, aber sehr schnell die Erfahrung gemacht, dass unser Fahrzeug für diese Fahrweise nicht geeignet ist.
Entgegen den vielen Vorwarnungen waren die einheimischen Fahrer auf diesen Pisten in der Regel sehr rücksichtsvoll. Das betraf zunächst die sehr häufigen Ausweichmanöver auf schmalen Wegen. Aber auch bei Begegnungen und vor allem auch beim Überholen wurde im Gefahrenbereich von Steinschlägen langsam gefahren. Wir haben dadurch die Mehrzahl unserer Steinschläge auch nicht auf solchen Strecken, sondern auf guten Asphaltstrecken eingefangen. Dabei hat sich der Steinschutz für unsere Frontscheibe, der etwa 50 % der Fläche abdeckte, sehr oft bewährt.
Auf den glatten Wegen ging es in Lateinamerika dann schon etwas raubeiniger zu. Vor allem die Busse hatten es meist sehr eilig. Bedrohliche Situationen auf Grund des Fahrstils anderer Verkehrsteilnehmer hat es in diesen Regionen für uns weniger als eine Hand voll gegeben. Unsere Einschätzung ist schließlich, dass man in Deutschland in Bezug auf die Aggressivität des Fahrstils den Lateinamerikanern kaum nachsteht. Diese Meinung ist bei unserer Rückkehr entstanden und war vielleicht noch ein bisschen durch die Erfahrungen aus den vorangegangenen Monate in den USA und Canada geprägt. Dort wird in der Regel sehr moderat und nach Vorschrift gefahren.
Ein großes Problem der Pistenfahrten war die Staubentwicklung. Der Staub zog durch alle Ritzen, und da gab es leider schon im Original-Fahrerhaus eine ganze Menge. Auch der Aufbau zeigte in zunehmendem Maße Öffnungen, die nicht staubdicht waren. Mit Klebeband, das generell ein sehr wichtiges Reparaturmaterial ist, und Dichtmasse haben wir immer wieder versucht, erkannte Öffnungen ein bisschen abzudichten. Die Entstaubung des Fahrzeuges war damit in Südamerika eine ständige Aufgabe, die wir mit den bescheidenen Mitteln selbstverständlich nur sehr unvollkommen bewältigten.
Die Erschütterungen und Verwindungen für das Fahrzeug haben vor allem auch unserem Aufbau zu schaffen gemacht. Viele Verbindungen waren für solche Belastungen nicht geeignet. Da musste man schon öfter nachsehen und versuchen, lockere Schrauben und sonstige Verbindungen wieder fest zu bekommen.
Bei der Beschreibung der Straßenverhältnisse darf man in Lateinamerika nicht die sehr unterschiedlich benannten aber allgegenwärtigen Geschwindigkeitshemmer vergessen. Sie sind häufig auch außerhalb der Ortschaften platziert, nicht immer ausreichend gekennzeichnet und haben meist solche Abmessungen, dass sie von jedem Kraftfahrer mit entsprechender Sorgfalt befahren werden. Sie erfüllen auf jeden Fall ihren Zweck sehr nachhaltig. Wir konnten diese Rampen trotz unserer beschränkten Bodenfreiheit mit nur geringen Ausnahmen rechtwinklig überfahren und haben dabei nur selten leichte Geräusche vernommen.
Nach den einschränkenden Feststellungen bezüglich der Eignung unseres Wohnmobils für dieses Unternehmen muss auf jeden Fall auch etwas zu der anderen Seite gesagt werden. Um es vorweg zu nehmen, wir waren mit dem Fahrzeug rundherum zufrieden. Es hat uns niemals im Stich gelassen. Neben einigen H4-Lampen, die gewechselt werden mussten, war der einzige Schaden eine halbe Reifenpanne. Eines Morgens fehlte bei einem Vorderrad etwas Luft. Radwechsel, Reparieren des Reifens an der nächsten Tankstelle und Rückmontage des reparierten Reifens waren die einzigen Aktionen. Auch einen Steinschlag in der Frontscheibe haben wir uns reparieren lassen. Gleich zu Anfang lief bei starkem Regen das Wasser an der Frontscheibe herein. Die Abdichtung war nicht sehr fachmännisch aber wirkungsvoll. Das waren dann schon alle Reparaturmaßnahmen am Fahrzeug.

Dabei gab es genügend Anlass für Unsicherheiten. Das betrifft vor allem die teilweise hohen Umgebungstemperaturen, starke und lange Steigungen, die manchmal auch bei höheren Temperaturen zu befahren waren, und das Fahren in Höhen zwischen 3.000 und fast 5.000 m. Unter allen Bedingungen hatte der Motor ein sehr gutes Drehmoment, was sich positiv auf die Schalthäufigkeit auswirkte, und natürlich auch entsprechende Leistungsreserven. Wir mussten trotz des zusätzlichen Steinschutzes vor den Ansaugöffnungen niemals wegen Überhitzung anhalten. In den großen Höhen gab es meist etwas dunklere Abgase. Dazu kommt ein angenehmer Kraftstoffverbrauch, der über alles bei etwa 9,5 l/100 km lag. Zu berücksichtigen ist dabei, dass ständig der Kühlschrank an der Lichtmaschine hing, etwa 40 % der Strecke mit Licht zu fahren waren, sehr häufig die Fahrerhausklimatisierung benutzt wurde und eine Dachbeladung den Luftwiderstand noch etwas erhöht hat.
Das Servicenetz von Fiat in der bereisten Region lässt größere Unsicherheiten bezüglich der Fahrzeugwahl aufkommen. Diese Marke ist lediglich in Argentinien gut vertreten. Für die übrigen bereisten lateinamerikanischen Länder sowie die USA hatten wir lediglich einen Ansprechpartner von Fiat. In den USA haben wir versucht, diesen Ansprechpartner per e-mail zu erreichen, leider ohne Erfolg. Unter solchen Bedingungen kann man nur hoffen, dass man unterwegs keine Servicewerkstatt benötigt. Diese Hoffnung hat sich zu unserer großen Freude und Erleichterung in vollem Umfang erfüllt.
Für die planmäßigen Wartungsarbeiten haben wir fast alle erforderlichen Materialien mitgenommen. Das waren Öl-, Kraftstoff- und Luftfilter sowie Motorenöl. Öl- und Kraftstofffilter sowie das Motorenöl wurden dreimal gewechselt. Davon zweimal bei Bekannten in Chile und Mexico und das dritte Mal bei WAL-Mart in Alaska. Zwischen den Ölwechseln waren jeweils etwa 0,5 l nachzufüllen. Der Luftfilter wurde viermal gewechselt und nach hohem Staubanfall auch zusätzlich gereinigt. Öl- und Kraftstofffilter für den dritten Wechsel hatten wir in Ecuador beschafft. Sie erwiesen sich jedoch trotz gleicher Abmessungen als unbrauchbar. Da diese Filter weder in den USA noch in Canada aufzutreiben waren, haben wir uns den Ersatz aus Deutschland schicken lassen, was in etwa 10 Tagen erledigt war.
Notwendig war auch das Nachfüllen von 1,5 Liter Kühlflüssigkeit. Bremsflüssigkeit und Bremssteine vorn wurden vor der Fahrt erneuert und die ausgebauten, noch recht guten Bremssteine, für alle Fälle mitgenommen.
Beim Start war das Fahrzeug vorn neu bereift. Zusätzlich hatten wir zwei neue Kompletträder als Ersatz dabei. Auf der Hinterachse waren die Reifen beim Start bereits 56.000 km gelaufen. Wir haben sie in Ecuador nach etwa 80.000 km durch neue Reifen (gekauft und dafür zusammen mit der Montage 180 US $ bezahlt) ersetzt. Auf der Vorderachse wurden die Räder in Mexico nach etwa 30.000 km in noch recht gutem Zustand getauscht. Weitere Aktionen auf diesem Gebiet gab es nicht. In Canada wollten wir angesichts des großen Angebots nochmals einen Satz Reifen erwerben. Es stellte sich jedoch heraus, dass unsere Reifendimension nicht zum gängigen Sortiment gehörte. Die Beschaffung war zwar möglich, aber im Vergleich zu den heimischen Preisen zu teuer, so dass wir darauf verzichtet haben.
Die Luftdruckanlagen an den Tankstellen, so weit vorhanden, sind sehr vielgestaltig. Gemeinsam hatten sie alle die Eigenschaft, wenig bedienfreundlich zu sein. Das gilt auch für die USA und Canada. Obwohl wir ihn nur selten brauchten, waren wir deshalb froh, einen eigenen kleinen Kompressor im Gepäck zu haben.
Neben der Motorisierung und dem Fahrwerk sind selbstverständlich auch die Abmessungen des Fahrzeugs ein wichtiger Aspekt. Die kleinen Fahrzeuge sind beweglicher und die großen haben entsprechend mehr Komfort. Die Entscheidung zwischen diesen beiden Aspekten ist besonders auch für eine so lange Reise nicht ganz einfach. Mit einer Länge von 5,99 m und einer Höhe von 2,65 m (mit Dachbeladung etwa 2,80 m) war unser Wohnmobil für viele Situationen noch nicht zu groß und der Komfort für unsere Belange ausreichend. Frachtraten für die Schiffspassagen und Fähren sowie die Maut werden meistens nach Kubatour oder Länge berechnet. In Mexico war es bezüglich der Maut günstig, auf der Hinterachse keine Zwillingsbereifung zu haben, denn damit hätten wir für eine zusätzliche Achse zahlen müssen. Die Länge von 6 m bzw. 20 ft war oft eine Grenze zwischen billig und teuer und vielfach auch das Grenzmaß für die Zulassung auf Passstraßen oder das Befahren der Nationalparks. Bezüglich der Abmessungen des Wohnmobils waren wir also ganz gut ausgestattet.
4. Gesundheitsvorsorge
Gesundheitliche Probleme können auf einer solchen Reise sehr störend sein. Der umfassende Gesundheitscheck vor der Reise war jedoch relativ beruhigend, so dass uns auch von unseren Hausärzten die Reisefähigkeit bescheinigt wurde. Trotzdem hatten wir für alle möglichen Fälle eine angemessene Reiseapotheke mit unseren Hausärzten zusammengestellt. Für diese Apotheke, die auch den gesamten Vorrat an regelmäßig einzunehmenden Medikamenten enthielt (in unserem Alter ist das meistens schon ein ganz beträchtliches Sortiment), hatten wir eine Übersicht angefertigt, in der neben den Wirkstoffen und der Menge auch der Anwendungsbereich in Deutsch, Englisch und Spanisch vermerkt war. Von unseren Hausärzten und einigen wichtigen Spezialisten hatten wir die e-mail-Adressen und die Zusicherung, dass wir uns mit Problemen jederzeit an sie wenden können. Zum Glück haben wir diese Kontakte nicht für den gedachten Zweck gebraucht, aber gelegentlich doch für ein paar Informationen zum Stand der Reise und unseren Befindlichkeiten genutzt.
Im übrigen hatten wir gehört, dass in vielen lateinamerikanischen Ländern die Ärzte nach deutschem Standard ausgebildet sind und man sich ganz beruhigt in ihre Behandlung begeben kann. Das war nur einmal und gleich am Anfang erforderlich, als meine Frau in Iguassu von den reichlichen Insektenstichen eine Allergie bekam. Die dort vom Arzt verordneten Mittel waren überaus wirkungsvoll und wurden auch im weiteren Verlauf der Reise bei immer wieder auftretenden ähnlichen Fällen mit gutem Erfolg eingesetzt.
Eine umfassende Vorsorge hatten wir mit den einschlägigen Impfungen getroffen. Das waren zunächst all jene Impfungen, die schon in den gemäßigten Zonen üblich sind. Gefordert war zusätzlich bereits für die Schiffsreise eine Gelbfieberimpfung, die auch bei der Einreise nach Argentinien überprüft wurde. Ein sensibles Thema ist die Möglichkeit einer Malariainfektion. Wir hatten mit unseren Hausärzten ermittelt, dass einige der gefährdeten Regionen durch unsere Route nicht zu vermeiden waren. Das betraf das westliche Tiefland von Ecuador sowie die an Yukatan angrenzende Urwaldregion von Guatemala und Belize. Vermeidbar waren die sehr gefährdeten Amazonas-Regionen von Ecuador und Peru. Dorthin sind wir aber aus ganz anderen Gründen nicht gekommen. In den betreffenden Gegenden haben wir immer von Einheimischen erst einmal entsprechende Informationen eingeholt und generell die Aussage erhalten, dass es zur Sache keine Probleme gibt. Trotzdem haben wir etwas größere Sorgfalt auf den Moskitoschutz verwendet und versucht, erkennbare Moskitonester zu meiden. Auf eine ausgiebige Besichtigung der Mayastätte von Tikal sowie eine Urwaldwanderung und Bootsfahrt in Guatemala haben wir deswegen nicht verzichtet. Ein Mittel, dass für den Notfall Hilfe verspricht, hatten wir dabei, aber niemals den Eindruck, dass wir es hätten einsetzen müssen.
Natürlich ist es nicht ganz ohne Wehwehchen abgegangen. Neben der bereits erwähnten Insektenallergie hatte meine Frau auf den ausgedehnten Pistenstrecken Südamerikas auch unter einer Stauballergie zu leiden und konnte zeitweise nur mit Mundschutz existieren. In den letzten Wochen hatte sich bei ihr auch eine Zahnwurzel entzündet, die jedoch mit entsprechender Behandlung in Grenzen gehalten und bis nach Hause gerettet werden konnte. Meine kleinen Leiden hatte ich von zu Hause mitgebracht. Sie haben mir durch die Belastungen beim Autofahren manchmal ein paar Probleme bereitet, konnten jedoch stets mit den Mitteln der Reiseapotheke kuriert bzw. gemildert werden.
Neben der Malaria haben wir auch andere Gefährdungen versucht zu vermeiden. Beispielsweise hatten uns die ersten Berührungen mit der landestypischen Küche belehrt, dass unser Verdauungssystem da nicht ganz unempfindlich ist. Wir haben dann weitere Versuche in dieser Richtung sehr stark eingeschränkt und uns vorzugsweise mit weitgehend bekannten Lebensmitteln und den Möglichkeiten der Wohnmobilküche ernährt. Unsere Überlegung war, dass wir die Küche der bereisten Länder auch in Deutschland genießen können. Mehrtägige Magenverstimmungen u.ä.m. wären durchaus geeignet, unser Reiseunternehmen empfindlich zu beeinträchtigen.
Zum Erhalt der notwendigen Fitness haben wir täglich und konsequent unser von zu Hause gewohntes Morgengymnastikprogramm von etwa 40 Minuten absolviert. Dazu wurden wir an manchen Stellen von unseren Nachbarn mitleidig belächelt, was uns jedoch nicht gestört hat. Auch sonst haben wir versucht, durch kleine Wanderungen uns etwas Bewegung zu verschaffen. Die insgesamt etwa 300 Wanderstunden lagen unter unseren Wünschen, aber viel mehr war eben nicht einzuordnen.
Große Bedenken hatten wir vor den Aufenthalten in großen Höhen. Von der Höhenkrankheit und ihren Begleiterscheinungen hatten wir in einigen Reiseberichten gelesen. Die Empfehlung, sich bei entsprechenden Beschwerden in tiefere Lagen zu begeben, ist bei Aufenthalten auf dem Altiplano in Peru nicht so einfach umzusetzen. Dort waren wir 17 Tage lang auf einer Höhe zwischen 2500 und 3900 m. Ein paar Hinweise zu diesem Thema hatten wir bei der Fahrt über den Jama-Pass, der uns mit etwa 4900 m den höchsten Punkt unserer Reise bescherte, und dem Tagesausflug von Arica in Richtung Bolivianische Grenze bekommen. Dort waren wir von Meereshöhe an einem Tag auf etwa 4600 m und wieder zurück gefahren. Schwindelgefühle bei etwas schnelleren Bewegungen waren meine Beschwerden. Meine Frau bekam bei der Talfahrt äußerst schmerzhaften Druck in den Ohren, der uns zu einer längeren Pause zwang.
Danach haben wir uns auf den Höhenaufenthalt in Peru etwas sorgfältiger vorbereitet. Dazu gehörte ein zweitägiger Aufenthalt in Arequipa auf etwa 2300 m und ein zweitägiger Aufenthalt am Colca-Canyon mit etwa 3600 m. An beiden Stellen wurde mit kleinen Wanderungen die Gewöhnung an diese Höhen etwas unterstützt. Danach haben wir den Aufenthalt in diesen Höhen ohne Probleme bewältigt und sogar die Kondition für eine Besteigung des Waynapicchu besessen.
Der Check nach der Rückkehr hat ergeben, dass wir keine bleibenden Schäden genommen haben. Auch bezüglich Malaria konnten nach neun Monaten keine Symptome festgestellt werden.
5. Versicherungen
Schwerpunkte waren die Langzeit-Auslands-Krankenversicherung sowie die Versicherungen für das Wohnmobil.
Spätestens bei den Krankenversicherungen haben wir gemerkt, dass wir mit einer solchen Reise nicht mehr lange warten sollten. Ab einem Alter von 65 Jahren gehen die Prämien sehr stark in die Höhe und wenn man ein Stück über 70 ist, dann wird es immer schwieriger, dafür eine Versicherung zu finden. Da die Alters- und Prämienstaffelungen bei den einzelnen Anbietern geringfügig differieren, hatten meine Frau und ich unterschiedliche Versicherer zu diesem Thema.
Auch bei den Fahrzeugversicherungen steigen die Prämien mit dem Alter. Außerdem waren in einem der beiden Fälle Gesundheitsatteste des Hausarztes vorzulegen. Für Süd- und Mittelamerika haben wir die Versicherung bei „American International Underwriters“, die eine Agentur in Deutschland haben, abgeschlossen. Möglich war neben der Haftpflicht- auch eine Kaskoversicherung, wobei die Höhe der Prämie von den gewünschten Deckungssummen und dem Wert des Fahrzeuges abhängig sind. Diese Versicherung haben wir für 6 Monate abgeschlossen mit der Option, dass die Prämie für nicht in Anspruch genommene volle Monate zurückgezahlt wird. Das hat dann auch ohne Probleme geklappt – wir hatten nur 5 Monate benötigt.
Die Fahrzeugversicherung für Mexico (nur Kasko-Versicherung), USA und Canada haben wir mit „Seabridge for Motorhomes“ gemacht, die in Zusammenarbeit mit entsprechenden Gesellschaften beinahe den ganzen Versicherungsbedarf für Wohnmobilsten in Nordamerika abdecken.
Da der ADAC für die bereiste Region nicht sehr viel anbietet, haben wir noch für ein Jahr einen Autoreise-Schutz bei „Europäische Reiseversicherung AG“ abgeschlossen, der 120 € kostete. Trotzdem scheint der ADAC auch in dieser Region gelegentlich an seine Mitglieder zu denken. Bei unseren Filterproblemen in Alaska hatten wir den AAA zu Hilfe gerufen. Er war auch erschienen, das Abschleppen war dann aber nicht erforderlich. Unser ADAC-Mitgliederausweis sowie eine Unterschrift genügten für den Abschluss dieser Aktion. Eine Rechnung haben wir bisher nicht bekommen.
Neben den noch zu erwähnenden Versicherungen von unterwegs kamen noch die Reiserücktrittsversicherung für die Passage nach Südamerika sowie die Transportversicherung für die Rückverschiffung des Wohnmobils. Damit war insgesamt eine ganz schöne Summe aufgelaufen, die etwa 12 % der Gesamtkosten ausmachte.
6. Die Schiffspassagen über den Atlantik
Die Schiffspassage nach Südamerika hatten wir bei Grimaldi-Lines über die Reiseagentur Hamburg Süd bereits zu dem Zeitpunkt gebucht, als unser Entschluss zu diesem Unternehmen fest stand. Das war im Oktober 2005. Vorangehende Recherchen hatten ergeben, dass die Frachtrate für das Wohnmobil wesentlich günstiger ist, wenn man als Passagier auf dem Schiff mitfährt. Das wollten wir ohnehin aus mindestens zwei weiteren Gründen. Erstens waren wir der Meinung, dass durch unsere Anwesenheit auf dem Schiff mit gelegentlichen Kontrollgängen zum Fahrzeug die Gefahr von Beschädigungen und/oder Einbrüchen etwas gemindert werden kann. Zweitens haben wir uns auch von einer solchen Schiffsreise, die wir uns bei unserem Zeitbudget auch leisten konnten, einen gewissen Erlebniswert versprochen. In beiden Fällen haben sich unsere Überlegungen in vollem Umfang als richtig bestätigt.
Das Wohnmobil haben wir ohne einen Schaden über den Atlantik gebracht. Dabei schien uns vor allem in den Häfen eine Beobachtung der Fahrzeuge erforderlich, weil sich da sehr viele fremde Leute auch relativ unkontrolliert auf dem Schiff bewegen können. Es war nicht immer einfach, dieses Anliegen bei der Schiffsleitung durchzusetzen und in allen Fällen ist das auch nicht gelungen. An den sensiblen Stellen konnten wir jedoch vor Ort sein. Die Zweckmäßigkeit dieser Aktion wurde uns im Nachgang nicht nur einmal bestätigt. Beispielsweise haben wir in Canada Reisende getroffen, deren Wohnmobil sich ebenfalls auf unserem Schiff befand, aber an einem für uns nicht zugänglichen Ort abgestellt war. Bei ihnen war eingebrochen worden. Zu Beginn einer solchen Reise ist das eine sehr unangenehme Sache, weil auch die so genannten Kleinigkeiten in der Regel unentbehrlich und in dem fremden Land meist nicht so leicht zu beschaffen sind.
Ansonsten war diese Schiffsreise eine sehr schöne und kurzweilige Angelegenheit, die wir als wichtigen Bestandteil unserer Reise auf gar keinen Fall missen möchten. Es waren auf dieser Fahrt insgesamt 11 Passagiere, d.h. 6 Wohnmobilbesatzungen mit ihren Fahrzeugen an Bord der „Grande Buenos Aires“. Davon waren drei Besatzungen mit einer geführten Tour und drei Besatzungen als Alleinreisende unterwegs. Untergebracht waren wir zusammen mit der gesamten Mannschaft, die hauptsächlich aus Italienern (Schiffsleitung), Indern (Technische Leitung und mittlere Mannschaftsgrade) sowie Rumänen (Decksmannschaft) bestand, auf dem Accomodation-Deck. Mit guter italienischer Küche wurden wir bestens in der Offiziersmesse bedient. Es gab angemessene Aufenthaltsräume, einen Fitnessraum und selbstverständlich das sehr intensiv genutzte Sonnendeck. Langeweile ist wider erwarten niemals aufgekommen. Die Vertiefung der Reiseplanung, Spanischlernen, Lesen, Karten- und sonstige Spiele sowie der Gedankenaustausch mit den andern Wohnmobilbesatzungen waren die Hauptbeschäftigungen. Dann waren auch schon die ersten Berichte über diese Etappe fällig und die entsprechenden Fotos zu sortieren. Mit dem Wetter hatten wir sehr zufrieden. Es gab nur 4 Tage mit Regen, dafür 9 Tage mit Temperaturen über 30° C. Sturm und extremer Wellengang blieben uns erspart. Die Atlantiküberquerung von Afrika nach Südamerika dauerte 4 Tage.
Ein besonderes Erlebnis waren die Hafenaufenthalte. Ein besseres Panorama wie von der Position des ein- oder auslaufenden Schiffes bekommt man in der Regel von den besuchten Hafenstädten nicht geboten. Insgesamt gab es Stopps in 12 Häfen in Europa, Afrika und Südamerika. Interessant war die Beobachtung der Be- und Entladeprozesse sowie des Treibens im Hafen. Letzteres insbesondere in den afrikanischen Häfen. Faszinierend war für uns Laien immer wieder die Navigation des großen Schiffes (214 m lang, 32,5 m breit und mehr als 40 m hoch) bei Hafenein- und –ausfahrten und auf See die Vorgänge auf der Brücke, im Maschinenraum und manchmal auch auf den Decks, wo es in Vorbereitung auf den nächsten Hafen viele Umschichtungen für die Fahrzeuge gab. Für diese Erlebnisse muss man rechtzeitig buchen, denn die Anzahl der Passagiere ist sehr begrenzt.
Die mit dieser Passage verbunden Grenzübertritte waren relativ unproblematisch. In Hamburg haben wir das Wohnmobil ohne jegliche Kontrolle auf das Schiff gefahren, die Pässe und Impfausweise beim 1. Offizier abgegeben und unsere Kabine bezogen. Davor hatten wir zur Sicherheit noch beim Zoll vorgesprochen, der jedoch in unserem Fall keinerlei Handlungsbedarf sah. Für die Einreise nach Argentinien sind die zuständigen Beamten in Buenos Aires an Bord gekommen und haben uns auf der Grundlage der Pässe und des Fahrzeugscheines die Papiere für die Einreise sowie die temporäre Einfuhr des Fahrzeuges ausgefüllt. Vom Schiffspersonal war bereits zu Beginn der Reise eine Liste unserer Wertgegenstände wie z.B. Laptop, Video- und Fotokameras angefertigt worden, die der argentinische Zollbeamte auch noch mit seinem Stempel versehen und damit die Einfuhr bestätigt hat. Nach kurzem Blick des Beamten auf und in das Wohnmobil konnten wir von Bord und dann auch aus dem Hafen fahren und waren in Argentinien.
Für die Rückreise über den Atlantik von Canada nach Deutschland haben wir leider kein Schiff gefunden, auf dem wir hätten mitreisen können. Für diese Passage hatten wir uns deshalb noch in Deutschland bei „Seabridge for Motorhomes“ angemeldet und unsere Fahrzeugdaten einspeichern lassen. Die Buchung für die Passage von Halifax nach Bremerhaven konnten wir dann sehr kurzfristig vornehmen. Die betreffenden Routen werden relativ stark befahren.
Für die Verschiffung des Wohnmobils in Halifax waren zunächst die notwendigen Papiere bei der Agentur in der Stadt abzuholen und selbstverständlich eine entsprechende Gebühr zu entrichten. Nach einem kleinen Rundgang in Halifax haben wir auf einem Campingplatz vor unserer letzten Nacht das Wohnmobil für die Verschiffung präpariert. Es waren die gleichen Maßnahmen, wie sie in Verbindung mit der Verschiffung von Süd- nach Mittelamerika beschrieben sind. Bei der Ablieferung des Fahrzeugs am 06.09.07 im Hafen gab es hinsichtlich Kontrollen nur die Frage nach den Propangasflaschen, auf die wir, wie an anderer Stelle noch berichtet wird, bestens vorbereitet waren. Ansonsten wurde, so wie üblich, eine kurze Bestandaufnahme für die Ausstattung im Fahrerhaus gemacht. Der Rest des Wohnmobils interessierte nicht. Infolge eines guten Timings konnten wir vom Hafen gleich zum Flugplatz fahren und noch am gleichen Tag nach Deutschland fliegen.
Wenige Tage später erfuhren wir von Bekannten, die wir in Halifax auf dem Campingplatz getroffen hatten und die ihr Wohnmobil mit dem gleichen Schiff wie wir nach Deutschland bringen wollten, dass deren Fahrzeug wegen Platzmangels in Halifax geblieben war. Zum Glück war unser Wohnmobil ordnungsgemäß verladen worden. Nach dem wir die Frachtrechnung bezahlt und auch noch eine Transportversicherung abgeschlossen hatten, konnten wir pünktlich am 24.09.07 unser Wohnmobil in Bremerhaven ebenfalls wieder völlig unbeschädigt in Empfang nehmen. Nach kurzer Sichtkontrolle habe ich die Übernahme bestätigt und konnte aus dem Hafen fahren. An der Ausfahrt gab es noch ein kleines Gebäude mit der Aufschrift „Zoll“, das auch besetzt war. Da sich jedoch niemand rührte und auch nichts darauf hinwies, dass man anzuhalten hätte, sind wir ohne Grenzkontrollen wieder in Deutschland gelandet.
7. Die anderen Grenzübertritte
Auch zu diesem Thema hatten wir bei der Vorbereitung sehr viel Abenteuerliches gelesen und deshalb bei der Planung sowie unterwegs versucht, die Anzahl der Grenzübertitte nicht unnötig zu erhöhen. Damit haben wir leider auf einige mögliche Abstecher verzichtet. Viele der Berichte haben sich auch in unserem Erleben bestätigt. Es war immer eine etwas stressige Übung. An allen passierten lateinamerikanischen Grenzen war neben der Personenaus- und –einreise auch die Aus- und Einfuhr des Fahrzeuges zu bewältigen. Das für viele der Grenzbeamten etwas ungewohnte Fahrzeug mit seinem unübersichtlichem Inhalt hat da gelegentlich schon einige Probleme bereitet. Eines davon war, dass man keine offizielle Bezeichnung für Wohnmobile hatte. An der Grenze nach Peru wurde dann mit entsprechender Hilfe der Begriff „casa dolante“ erfunden, unter dem man sich auch an den weiteren lateinamerikanischen Grenzen etwas vorstellen konnte.
rotz gelegentlicher sehr aufwändiger Prozeduren und Wartezeiten haben wir bei keinem unserer insgesamt 23 Grenzübertritte mehr als zwei Stunden benötigt. Ausgenommen ist da selbstverständlich die Verschiffung von Süd- nach Mittelamerika, über die aber noch gesondert zu berichten ist.
Nach der Schiffsreise und dem Anlanden in Buenos Aires folgten insgesamt 9 Grenzübertritte zwischen Argentinien und Chile, die nach weitestgehend gleichem Muster abliefen. Das beinhaltete die Ausreiseformalitäten für die Personen und die Ausfuhr des Fahrzeuges auf der einen Seite und die Einreise und Einfuhr des Fahrzeuges auf der anderen Seite. Dazu waren immer entsprechende Papiere bzw. Fragebögen auszufüllen. Die Ausfuhr des Fahrzeuges war in der Regel mit der Abgabe der Einfuhrgenehmigung für das betreffende Land erledigt. Die Einfuhrgenehmigung auf der anderen Seite wurde auf der Grundlage der Fahrzeugpapiere manchmal vom Beamten ausgefüllt, manchmal konnte/musste man das selbst machen. Einmal stand dafür auch ein Computer zur Verfügung, in dem unsere Fahrzeugdaten bereits gespeichert waren. Oftmals wurde an den Grenzübergängen jedoch der Grenzübertritt unseres Wohnmobils nur in ein dickes Buch eingetragen. Wir hatten uns von der ersten Einfuhrgenehmigung nach Argentinien einige Kopien gemacht, die manche Beamte gern als hilfreiche Vorlage annahmen.
Fahrzeugidentität und –inhalt wurden sehr oft kontrolliert. Ein besonderer Schwerpunkt an diesen Grenzen ist das für beide Länder geltende Einfuhrverbot bestimmter landwirtschaftlicher Produkte und Lebensmittel. Dazu gehören Obst und Gemüse sowie Fleisch- und Wurstwaren. Für die Überwachung sind in beiden Ländern gesonderte Behörden zuständig, die diese Dinge auch relativ intensiv kontrollieren. In Chile war dazu vor der Kontrolle eine entsprechende Erklärung auszufüllen. Wir haben uns auf diese Kontrollen immer gut vorbereitet, wussten jedoch nie genau, ob wir in unserem Lebensmittelbestand nicht vielleicht doch etwas Verbotenes haben. Zweifelhafte Objekte haben wir nicht im Kühlschrank gelassen, sondern anderweitig versorgt, wofür es im Wohnmobil ja einige Möglichkeiten gibt.
Ansonsten hatte meine Frau für diese Kontrollen ein recht wirksames Ritual entwickelt. Dazu gehörte, dass sie sich beim Einstieg in das Wohnmobil erst einmal sehr umständlich die Schuhe auszog und den Fußabtreter für den Beamten zurechtrückte. Meist wirkte diese Hemmschwelle für die schwer bestiefelten Beamten recht gut und sie beschränkten sich bei ihrer Besichtigungstour auf einen Rundblick vom Fußabtreter aus. Selbstverständlich konnte man von dort vor allem den Kühlschrank gut in Augenschein nehmen. Wenn wir etwas unsicher mit unseren Vorräten waren, dann hat meine Frau auch schon mal einen Köder bewusst ausgelegt. Mit der Diskussion über den Köder, der entweder konfisziert oder uns für den Sofortverzehr belassen wurde, war die Sache dann auch erledigt. Ein „Filzen“ des Fahrzeuges hat niemals stattgefunden.
Die Grenzkontrollstellen von Argentinien und Chile haben wir nur bei einem unserer Übergänge unmittelbar nebeneinander erlebt. Meist liegen größere Entfernungen dazwischen. Bei der Fahrt über den Jama-Pass waren es sogar 150 km. In San Pedro de Atacama kann es leicht passieren, dass man unbeachtet an der Grenzkontrolle vorbeifährt. Das sollte man aus Sicht der späteren Ausreise aus Chile unbedingt vermeiden.
Nach annähernd gleichem Schema wie zwischen Argentinien und Chile lief es auch an den anderen lateinamerikanischen Grenzen. Trotzdem gab es einige gewaltige Unterschiede, die vor allem darin bestanden, dass dieses Schema vielfach durch zusätzliche Prozeduren und Kontrollen angereichert war und ansonsten an den Grenzübergangsstellen unübersichtliche sowie chaotische Verhältnisse herrschten. So haben wir uns bei der Einreise nach Peru (die veränderte Ausreise aus Chile hatten wir noch mit einigen Mühen selbst bewältigt) erstmals eines Helfers bedient. Solche Helfer bieten sich an all diesen Grenzen in großer Zahl an und sind oftmals sogar mit einem entsprechenden Zertifikat ausgestattet. Der Helfer hat uns gesagt, was wir machen müssen, welche Stempel wo zu bekommen sind und uns vielfach auch entlang der langen Schlangen sofort zum zuständigen Schalter gebracht. Die 5 US$ waren auf jeden Fall gut angelegt. Zweckmäßig ist es selbstverständlich, mit dem Helfer vorher auszumachen, in welcher Zeit er die Sache erledigen kann und was es kostet. Ein Helfer, der sich geduldig an alle Schlangen hinten anstellt, ist nicht besonders brauchbar.
Die Unterschiede zu Argentinien und Chile waren vor allem an den Grenzen der mittelamerikanischen Länder wirksam. Dazu gehörten unter anderem folgende Dinge:
> Die Abfertigungseinrichtungen sind oftmals nicht übersichtlich in entsprechenden Gebäuden, sondern in verstreut liegenden Hütten untergebracht, z. B. am Übergang von Nicaragua nach Honduras. Aber auch wenn es solche Gebäude gibt heißt das noch lange nicht, dass man da den zuständigen Beamten findet. Der lässt sich vielleicht gerade draußen die Schuhe putzen, so z. B. beim Übergang von Costa Rica nach Nicaragua geschehen.
> Lange Fahrzeugschlangen, insbesondere LKW, volle Parkplätze u.ä.m. können verhindern, dass man überhaupt an die notwendige Stelle kommt.
Falls man sich vorher auf die hier besonders beliebten Kopien aller möglichen Dokumente, insbesondere Pässe, Fahrzeugzulassung, Führerschein, vorbereitet hat, dann wird man hier zumindest bei den Pässen enttäuscht. Die mitgebrachten Kopien sind unbrauchbar. Hier will man Kopien mit dem aktuellen Einreisestempel, die man sich selbstverständlich nur in einem sehr stark frequentierten und mit Landeswährung zu bezahlenden Copy-Shop irgendwo im Gelände beschaffen kann.
> Für Ein- und/oder Ausreise sind gelegentlich gewisse Gebühren fällig. Nur selten kann man diese Gebühren gleich bei dem stempelnden Beamten bezahlen. Dafür gibt es einen gesonderten Gebührenschalter, an dem man erfolgreich ist, wenn man sich vorher die Landeswährung beschafft hat.
> Die bereits von Argentinien und Chile bekannten Agrarkontrollen beinhalten hier meistens noch zusätzlich eine Desinfektionsprozedur für das Fahrzeug. Das Durchfahren einer entsprechenden Anlage ist selbstverständlich kostenpflichtig, wobei auch hier das Geld meist nicht vor Ort, sondern wie oben bereits beschrieben an einer anderen Stelle zu entrichten ist.
> Bei der Einreise nach Costa Rica, Nicaragua und Belize war an der Grenze der Abschluss von Fahrzeugversicherungen erforderlich, obwohl wir für diese Länder bereits eine entsprechende Versicherung hatten. In Costa Rica und Nicaragua hätten wir ohne diese Versicherung nicht unsere Einreisepapiere bekommen. In Belize gab es diesen Zwanglauf nicht, so dass wir mit der Meinung, eine Versicherung für das Land zu haben, am Versicherungsschalter vorbei gefahren sind. Das wäre uns fast zum Verhängnis geworden bzw. hätte uns fast eine saftige Strafe gekostet. Kurz vor unserer Ausreise wollte eine der üblichen Polizeikontrollen auf der Landstraße unseren Versicherungsaufkleber sehen. Wir haben dort ein sehr langes Gespräch geführt bis man uns dann doch noch unbehelligt weiterfahren ließ.
Angesichts dieser Situation haben wir uns an drei dieser Übergänge eines Helfers bedient und dabei in der bereits genannten Größenordnung bezahlt. Oftmals helfen auch die privaten Geldwechsler, wenn man ihnen zu einem kleinen Geschäft verhilft.
Ein überraschend problemloser Grenzübergang war zwischen Peru und Ecuador bei Macara. Dort geht es zwar auch sehr eng zu, aber wir waren fast allein und wurden auf beiden Seiten von den Beamten sehr gut behandelt und unterstützt. Vielleicht hatte der ecuadorianische Zöllner bei unserer netten Unterhaltung versäumt, das Wohnmobil ordentlich in den Computer einzutragen. Auf jeden Fall wusste er auch, dass wir für das Fahrzeug kein Carnet de Passage mehr benötigen. Bei unserer Ausreise aus Ecuador bzw. bei der Verschiffung des Wohnmobils in Manta waren unsere Fahrzeugdaten im System leider nicht auffindbar.
Bei der Einreise nach Mexico waren nochmals etwas höhere Gebühren fällig. Die Gebühr für die Personen wird bei der Ein- oder bei der Ausreise erhoben. Für das Fahrzeug waren sie bei der Einreise fällig und konnten mit Kreditkarte bezahlt werden. Die Einfuhrgenehmigung für das Wohnmobil gilt für 10 Jahre und kann für mehrmalige Einreisen nach Mexico genutzt werden. Da wir für Mexico nur eine Kaskoversicherung hatten, haben wir auch noch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die mit 120 US$ für einen Monat nicht ganz billig war.
Über die Einreise in die USA hatten wir einiges gehört, so dass wir uns mit einigem Unbehagen der Grenze genähert haben. Ausgesucht hatten wir uns den etwas kleineren Übergang bei Las Paloma/Columbus (New Mexico), was sich als recht gute Entscheidung erwies. An der Grenze haben wir uns in die kurze Schlange eingereiht und bei einem mexicanischen Beamten nachgefragt, ob wir dort für die Ausreise in die USA richtig sind. Es wurde bejaht und wenig später waren wir bereits an der USA-Kontrollstelle. Das Fahrzeug hatten wir erst einmal auf einem gesonderten Platz abzustellen und die Schlüssel an die Beamten abzugeben. Im Gebäude ging es dann zu einem Beamten, der uns ein bisschen nach dem Woher und Wohin befragte und dann einen Fragebogen, der sogar in Deutsch abgefasst war, vorlegte. Auf der Grundlage des Fragebogens, unserer Fingerabdrücke und einer Einreisegebühr von je 6 US$ bekamen wir die für 90 Tage gültige Einreisegenehmigung bzw. Greencard.
Die Daten der Greencard wurden zusätzlich in unsere Pässe eingetragen für den Fall, dass wir die Greencards verlieren. Unser Auto war in der Zwischenzeit kontrolliert und offenbar auch für ordnungsgemäß befunden worden. Die mehrmalige Rückfrage bei verschiedenen Beamten, ob denn nicht auch, so wie in Lateinamerika, für das Fahrzeug irgendwelche Einfuhrpapiere erforderlich sind, wurde verneint, so dass wir eigentlich unseren Weg in den USA hätten fortsetzen können. Bei der schnellen Einreise hatten wir aber die ordentliche Ausreise aus Mexico verpasst, die wir für alle Fälle doch noch nachholen wollten, denn man kann ja nie wissen. So haben wir das Fahrzeug auf dem Parkplatz in den USA abgestellt und ich bin mit den Unterlagen nochmals nach Mexico gegangen in der Hoffnung, diese Kleinigkeiten sehr schnell erledigen zu können. Leider war das ein kleiner Irrtum, denn ich bekam nochmals sehr ausführlich die Eigenheiten lateinamerikanischer Grenzabfertigungen vorgeführt.
Der Beamte bei der Immigracion verweigerte mir die Stempel mit dem Hinweis, dass zunächst die Ein- bzw. Ausreisegebühren zu bezahlen sind. Das muss bei der Bank erfolgen, die sich da irgendwo in Richtung Ortschaft befindet. Als ich mich endlich bis zu dieser Bank durchgefragt hatte gab es das nächste Problem. Die Gebühren mussten in Peso bezahlt werden. Ich hatte aber angesichts unserer Ausreise in die USA keine Peso mehr, sondern nur US$. Die nette Dame bei der Bank tauschte leider keine US$ in Peso, sie hat mir aber wenigstens einen privaten Wechsler vermittelt, mit dem ich noch kurz vor seiner Mittagspause ein für mich nicht sehr gutes Geschäft machen konnte. Die Gebühren konnten nun bezahlt werden und ich bekam bei der Immigracion meine Stempel. Die nächste Aktion war die Ausfuhr des Wohnmobils. Eventuell hätten wir die Sache auf sich beruhen lassen können, denn unser Papier war ja 10 Jahre gültig. Trotzdem wollten wir das ordentlich zu Ende bringen, denn eine erneute Einreise mit diesem Fahrzeug nach Mexico war nicht vorgesehen. Nachdem ich auch diese Stelle gefunden und den Beamten für mein Anliegen interessiert hatte eröffnete er mir, dass er für die Ausfuhrformalitäten das Fahrzeug sehen müsste. Eine durchaus verständliche Forderung.
Das Fahrzeug konnte er durch das Fenster auf der Rückseite seines Büros sehen, aber es war etwa 100 m entfernt und stand eben in den USA. Ich konnte ihn nicht überzeugen, das Fahrzeug über diese Entfernung zu identifizieren. So marschierte ich notgedrungen erneut über die Grenze und holte unser Auto. Es muss nicht besonders erwähnt werden, dass dies nun schon mein dritter außerhalb der Ordnung ablaufender Grenzübertritt war, von denen jeder einige flehentliche Erläuterungen bei den Grenzbeamten erforderte. Da wir an diesem überschaubaren Übergang die Einzigen mit solchen Problemen waren, hatten wir mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad und damit auch die notwendige Nachsicht erworben. Das Auto stand nun wieder auf mexicanischer Seite und an der Vorderseite des zuständigen Büros. Jetzt genügte ein Blick des Beamten aus dem Fenster und ich bekam meine Ausfuhrbescheinigung. Die letzte Hürde, nochmals mit unserem Auto durch den USA-Kontrollpunkt zu fahren, haben wir infolge des inzwischen auch dort wirkenden Bekanntheitsgrades ohne Probleme nehmen können.
Die weiteren Grenzübergänge verliefen völlig unspektakulär. Bei der ersten Einreise nach Canada, für die wir auch wieder einen kleinen Übergang in Montana/Alberta gewählt hatten, wurden wir erst einmal nach unseren Aufenthaltsabsichten befragt. Wir wollten etwa 90 Tage bleiben und hatten bereits eine Buchung für den Flug von Halifax nach Frankfurt/Main. Diese Auskünfte genügten dann schon fast für die Einreisestempel. Weitere Fragen betrafen die eventuelle Mitführung von Waffen, Alkohol und Pfefferspray, was wir selbstverständlich alles verneinten. Zum Glück fand keine Fahrzeugkontrolle statt, denn von den beiden letztgenannten Positionen hatten wir schon etwas dabei. Interessant ist, dass ausgerechnet in Canada die Einfuhr von Pfefferspray verboten ist, obwohl er überall als ein letztes Mittel bei der Begegnung mit Bären empfohlen wird.
In gleicher Form verlief dann auch die Einreise nach Alaska sowie die erneute Einreise nach Canada am Highway „Top of the world“. Hier haben wir auch unsere Greencards zurückgegeben und damit den USA-Aufenthalt ordnungsgemäß beendet. Bei diesem Grenzübergang sollte man nicht versäumen, sich den Sonderstempel in den Pass drücken zu lassen. Der nochmalige kleine Abstecher in die USA bei Hyder (dort wollten wir eigentlich die Bären beim Lachsfangen beobachten, aber leider hatte die Saison noch nicht begonnen) lag außerhalb dieses Programms und verlief ohne Formalitäten.
Bei allen Grenzübertitten haben wir ausschließlich den internationalen Fahrzeugschein und, falls erforderlich, auch die internationalen Führerscheine benutzt. Von beiden Dokumenten hatten wir Kopien jeweils für die spanische und die englische Variante und davon sehr handliche laminierte Ausführungen produziert. Sie sahen so ziemlich offiziell aus und wurden auch überall akzeptiert mit einer Ausnahme. An der Grenze nach Nicaragua wollte eine übereifrige Beamtin die Originale sehen. Nachdem wir mit der Sache bei ihrem Chef waren, fanden unsere „Laminate“ auch an dieser Stelle Akzeptanz.
Uns ging es an diesen Grenzen weniger um den Schutz der Originale, sondern vielmehr darum, den Beamten die notwendigen Informationen zielgerichtet zu vermitteln. Diese internationalen Dokumente sind bekanntlich sehr dicke vielsprachige Bücher, in denen jedoch immer nur 2 bis 3 Seiten von Interesse sind. Da die Beamten in diesen Ländern mit unseren Dokumenten nicht besonders vertraut sind, haben wir sehr oft ein ratloses Durchblättern und Suchen festgestellt, bei dem unsere Hilfsangebote meistens nicht sehr wohlwollend aufgenommen wurden. Man kann ja nicht zugeben, dass man mit diesen Dingern nichts anzufangen weiß. Bei anderen Gelegenheiten gab es für die Nutzung dieser Dummys selbstverständlich noch einige andere Beweggründe.
8. Stellplätze für die Übernachtung
Der Übernachtungsplatz gehört für einen Wohnmobilisten zweifellos zu den Schwerpunkten und erfordert täglich eine Lösung. Da in den lateinamerikanischen Ländern einerseits nicht mit einer hoch entwickelten Infrastruktur für Camper zu rechnen war und andererseits auch die Sicherheit einen besonderen Stellenwert besitzt, haben wir versucht, uns sehr intensiv auf dieses Thema vorzubereiten.
Alle geeigneten Berichte haben wir vor der Reise nach Informationen über Stellplätze durchsucht, davon tabellarische Übersichten angefertigt und eine entsprechende Karte angelegt. Leider stammten die Berichte vielfach von Reisenden, die mit geländegängigen Fahrzeugen unterwegs waren, weshalb dann auch viele der Stellplätze für uns nicht geeignet waren.
Jeder Wohnmobilist entwickelt im Verlauf seiner Reiseaktivitäten einen gewissen Instinkt für das Auffinden geeigneter Plätze, zumal es ja auch ein bisschen zu seinem Image gehört, die Nächte in der freien Natur und nicht unbedingt auf zivilisierten und komfortablen Campingplätzen zu verbringen. Nach diesen Grundsätzen sind wir in der Regel bei unseren Reisen in Europa verfahren. In Lateinamerika haben wir aus Sicherheitsgründen sehr gern einen Campingplatz in Anspruch genommen, wenn wir auf unserer Route einen gefunden haben. Das ist uns in Argentinien und Chile relativ oft, in den anderen lateinamerikanischen Ländern, mit Ausnahme von Mexico, leider wesentlich seltener gelungen. Viele Campingplätze waren auch nur für Touristen mit Zelt gemacht und damit für unser Fahrzeug nicht zugänglich.
Unsere Tagesziele haben wir sehr oft nach uns bekannten Stell- oder Campingplätzen festgelegt. Da dies nicht immer klappte, mussten wir notgedrungen oft auf andere Lösungen ausweichen, wobei gelegentlich auch das so genannte Freistehen praktiziert wurde. Dafür war aber in jedem Land immer erst wieder ein entsprechendes Gefühl zu entwickeln. Die Bedingungen ließen sich nach unserer Meinung nur sehr selten von einem auf das nächste Land übertragen.
Sehr oft waren Tankstellen unser Anlaufpunkt für die Nacht, wo wir uns meist in umfangreicher LKW-Gesellschaft befanden. Generell haben wir da Kontakt mit dem Personal aufgenommen und oft einen kleinen Obolus bezahlt. In Peru, Ecuador und Mittelamerika hatten die Tankstellen in der Regel sogar bewaffnetes Wachpersonal. Feste Adressen waren für uns einige Hotels, die den Wohnmobilisten auf ihrem Gelände Asyl gewähren. Diese Adressen hatten wir in der Mehrzahl bereits vor der Reise ermittelt. Dort konnte man sehr oft einige Gleichgesinnte treffen. Der Anlaufpunkt „Polizeistation“ wird noch an anderer Stelle erwähnt.
Gelegentlich hatten wir die Möglichkeit, auf den Grundstücken unserer Bekannten oder auf von ihnen vermittelten Plätzen zu übernachten, was insgesamt mit 27 derartigen Übernachtungen sogar keinen unwesentlichen Anteil an der Gesamtzahl von 308 ausmachte.
Für Mexico besaßen wir den für Amerikaner gemachten Campingguide von Church & Church, den wir sehr intensiv und mit der Konsequenz genutzt haben, dass wir dort fast alle Nächte auf entsprechenden Plätzen verbrachten. Ausstattung und Preise sind schon sehr nahe am Niveau der USA.
Die Suche nach einem Übernachtungsplatz hat uns in Lateinamerika manchmal einige Sorgen bereitet und entsprechenden Stress verursacht. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Tag in den Regionen um den Äquator etwa um 18 Uhr beendet und es dann auch ganz schnell dunkel ist. Selbst wenn man eine entsprechende Adresse hat, dann hat man das anvisierte Ziel bei den dortigen Gegebenheiten noch lange nicht gefunden. Trotz einiger Unwägbarkeiten und gelegentlichen unguten Gefühlen hatten wir bei unseren Übernachtungen aber auch in Lateinamerika niemals ein Sicherheitsproblem.
Bei der grandiosen Infrastruktur für Camper brauchten wir in den USA und Canada fast keinerlei Sorgen mit der Übernachtung zu machen. Campgrounds und RV-Parks (RV steht für Recreation Vehicel) gibt es an jeder Ecke. Hier stand dann gelegentlich die Frage des Preises. Diese Einrichtungen sind vorwiegend für die amerikanischen Camper gemacht, die mit ihren mobilen Wohnhäusern an alle möglichen Anschlüsse, wie z.B. Frisch- und Abwasser, Elektro- und TV-Anschluss, andocken wollen. Obwohl wir nichts von diesem Komfort nutzen konnten, ist es uns nur selten gelungen, einen geringeren Preis für so genanntes Trockencamping oder für die Zeltvariante zu erhandeln. In den National- und Stateparks ist das Freistehen in der Regel nicht erlaubt. Es gibt meist ausreichend Campingplätze, wo wir bis auf zwei Ausnahmen auch einen Platz bekamen. Die Ausstattung dieser Plätze ist etwas spartanischer, ohne dass sie wesentlich billiger wären. Oft wird die Self-Registration praktiziert. Dabei gibt man die geforderten Campinggebühren in einen bereitgelegten Umschlag und versenkt das Ganze in einer Box. Für diese Fälle sollte man das notwendige Kleingeld zur Hand haben. In Canada sind durch den etwas eigenartigen Steueraufschlag manchmal sogar Cent-Beträge gefragt. Die ordnungsgemäße Bezahlung ist stets von den Rangern kontrolliert worden. Gelegentlich haben wir in den Parks auch einen Gratis-Campingplatz gefunden bzw. waren außerhalb der Saison und konnten damit auf einem geeigneten Platz frei stehen.
Nach den Aussagen vieler Camper sollen die Parkplätze von WAL-Mart eine sichere Bank für die Übernachtung sein. In der Regel war das bei unseren Versuchen auch der Fall. Oft fanden wir aber auch die sehr unerfreulichen Schilder mit der Aufschrift „No overnight parking“ vor. Das war vor allem in den Touristenzentren wie z.B. in Whitehorse, Anchorage und Fairbanks, aber manchmal auch in weniger attraktiven Orten der Fall. Selbst wenn diese Schilder nicht existierten, haben wir uns immer die Genehmigung beim Customer-Service eingeholt. Insgesamt haben wir diese Gastfreundschaft 13 mal genutzt.
Wenn man die Hotelübernachtungen abzieht, dann hatten wir in Lateinamerika in unserem Wohnmobil 157 Übernachtungen, bei denen wir 98 mal etwas bezahlt haben. In den USA und Canada gab es bei 142 Übernachtungen und 58 mal eine Bezahlung. Der Preis je Übernachtung war für USA/Canada etwa doppelt so hoch wie in den andren Regionen. Dafür war man in Lateinamerika vor allem bei den Sanitäranlagen mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen landestypischen Charme konfrontiert. Im Gegensatz zu Europa sind die Stellplätze auf den Campgrounds zwischen Feuerland und Alaska flächenmäßig sehr großzügig angelegt. Als Mindestausstattung haben sie einen Tisch mit Bänken und die unverzichtbare Grill- und Feuerstelle.
Selbstverständlich hatten wir auch eine ganze Menge äußerst attraktiver freier Stellplätze, die all das boten, was sich ein echter Wohnmobilist so wünscht. Oftmals konnten wir unsere Campingmöbel jedoch nicht nutzen, sondern mussten uns auf die Möglichkeiten im Wohnmobil beschränken. Verantwortlich für diese Einschränkung waren dabei nicht nur die Umgebung unseres Stellplatzes oder das Wetter, sondern gerade an den landschaftlich sehr schönen Stellen sehr oft auch die Moskitos.
Unter solchen Umständen ist es gut, wenn man im Wohnmobil erträgliche Bedingungen schaffen kann. Nicht immer ist das mit unseren Möglichkeiten gelungen. Keine größeren Probleme hatten wir mit den tiefen Temperaturen, die während unsere gesamten Reise am Tage niemals und in der Nacht nur an 9 Tagen unter Null waren. Mit Hilfe eines zusätzlichen Fleeze-Schlafsacks waren solche Bedingungen auch ohne Heizung gut zu überstehen. Bei unserer Gasheizung war nach Auskunft der Firma Truma die Funktionsfähigkeit ohnehin nur bis in eine Höhe von 2500 m gegeben. Beim Aufenthalt in den größeren Höhen hatten wir zum Glück keinen besonderen Heizungsbedarf.
Etwas schwieriger waren die hohen Temperaturen zu ertragen. Da wir für den Wohnbereich keine Klimaanlage hatten, musste versucht werden, über die Durchlüftung etwas zu erreichen. Leider konnten wir dafür auf manchen Stellplätzen nur das zum Glück sehr großzügig dimensionierte Dachfenster nutzen. Unter ganz extremen Bedingungen und wenn es vom Stellplatz her möglich war, haben wir auch die vom Fahrzeugmotor betriebene Klimaanlage etwas arbeiten lassen.
Zusätzliche Einschränkungen für die Innenraumbelüftung verursachen die Abwehrmaßnahmen für die Moskitos. Selbstverständlich haben alle unsere Fenster Moskitoschutz. Auch die Seitenfenster des Fahrerhauses konnten wir mit einem solchen Schutz versehen, was sich als sehr zweckmäßig erwies. Trotzdem hat man diese Quälgeister im Fahrzeug. Für die Nacht konnten wir uns nur mit dem über unseren Betten aufgespannten Moskitonetz schützen. Diese sehr wirksame Einrichtung gehörte zu den wichtigsten Requisiten auf unserer Reise. Sie konnte zwar die Moskitos fernhalten, aber nicht die hohen Werte von Temperatur und Luftfeuchtigkeit reduzieren. Zu diesen Punkten war in vielen Nächten schlicht und einfach Durchhaltevermögen gefragt. An etwa 80 Tagen hatten wir Nachttemperaturen über 20° C, einmal sogar über 30° C. Notiert wurde diese Temperatur dann, wenn sie in den Morgenstunden ihren tiefsten Wert erreicht hatte. Die üblichen Tagestemperaturen in den betreffenden Regionen von 25°C bis 35°C hielten sich meistens bis lange nach Mitternacht. Verständlich, dass uns unter solchen Bedingungen, die wir insbesondere in Ecuador und in Mittelamerika erlebten, nicht immer an erholsamen Schlaf zu denken war.
In der beigefügten Übersicht sind alle unsere Übernachtungsplätze mit ihren Koordinaten auf geführt. Sie fehlen lediglich bei den Plätzen auf den Privatgrundstücken unserer Bekannten, die wir verständlicherweise nicht veröffentlichen können. Wahrscheinlich sind Koordinatenangaben gerätebedingt etwas ungenau. Sie dürften jedoch trotzdem eine gute Hilfe für das Auffinden der betreffenden Plätze sein.
9. Die vielen Versorgungs- und Entsorgungsaufgaben
Für unsere Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken haben wir überall ausgezeichnete Bedingungen vorgefunden. In allen bereisten Ländern gab es in den größeren Städten Supermärkte, die ein breites Angebot hatten, das neben dem uns bekannten international üblichen Sortimenten selbstverständlich auch die landestypischen Produkte enthielt. Ausstattung und Service entsprachen meist dem westeuropäischen Niveau, so dass in Regel auch mit Kreditkarte bezahlt werden konnte. In den abgelegenen Regionen sowie in kleineren Orten von Süd- und Mittelamerika musste man schon mit kleineren Läden vorlieb nehmen. Aber auch dort haben wir stets die für uns notwendigen Dinge bekommen. Interessant sind selbstverständlich die vielen Märkte und auch der allgegenwärtige Straßenverkauf. In diesem Bereich waren wir meistens nur Besucher oder haben uns auf den Einkauf von Obst und Gemüse beschränkt. Auch dabei muss man etwas vorsichtig sein, denn die Art, wie in Süd- und Mittelamerika vielfach Naturdünger verwendet wird, schlägt sich meist auf den Produkten nieder.
Auf der gesamten Reise hatten wir Mühe mit den angebotenen Brotsorten. Selbst das dunkelste Brot entsprach weder in der Konsistenz noch im Geschmack unseren Wünschen. Das Brot war meistens süßlich bzw. das Aroma tendierte in Richtung Kuchen. In allen Ländern findet man in den Regalen der Supermärkte auch deutsche Produkte bzw. Produkte, die auf eine deutsche oder europäische Machart hinweisen. Gelegentlich gibt es deutsche Bäckereien, Fleischereien u. ä., die dann etwas besser unsere Geschmacksrichtung treffen. Am stärksten war aus unserer Sicht der europäische Einschlag bei den Lebensmitteln in Chile ausgeprägt.
Zu den Preisen der Lebensmittel haben wir keine Aufzeichnungen gemacht. In Argentinien fanden wir diese Dinge sehr preiswert und in Canada relativ teuer. Die anderen Länder liegen dazwischen, wobei die Preise tendenziell von Süden nach Norden ansteigen. Ausgenommen vielleicht Chile, das in den Preisen etwas höher als seine nördlichen Nachbarn angesiedelt war. In den USA und besonders in Canada schlugen die extrem hohen Preise für alkoholhaltige Getränke, auf die wir auch unterwegs nicht ganz verzichten wollten, sehr stark zu Buche. Selbstverständlich sind die auf den Euro bezogenen Preise von den aktuellen Wechselkursen abhängig, die in dieser Region oftmals eine gewisse Dynamik haben.
Ohne Probleme war auch die Versorgung mit Kraftstoff. In allen Ländern hatten wir auf unserer Route ein relativ dichtes Tankstellennetz mit meistens sehr ordentlichen Einrichtungen. An den Hauptstrassen im Lande, vor allem in Argentinien, Chile und Peru, hatten die Tankstellen in der Regel kleine Restaurants, gute Sanitäranlagen mit Duschen und entsprechende Parkmöglichkeiten, die wir sehr häufig als Übernachtungsplatz genutzt haben.
Es kommt schon manchmal vor, dass es 200 bis 300 km keine Tankstelle gibt, aber das kann man vorher abschätzen und sich darauf einrichten. In Argentinien, als wir unsere Reservekanister füllen wollten, wurde der Ausschank auf 50 l beschränkt und wir mussten uns für den Rest eine andere Tankstelle suchen. In Ecuador war im Grenzort zu Peru der Diesel ausgegangen. Ansonsten war die Versorgung immer gesichert, wenn man davon absieht, dass es in den USA und teilweise auch in Canada sehr viele Tankstellen gibt, die keinen Diesel führen.
Zum überwiegenden Teil konnten wir in allen Ländern mit Kreditkarte bezahlen, haben uns das aber immer vor dem Tanken bestätigen lassen. Die Einrichtungen für diese Zahlungsart waren manchmal jedoch etwas antiquiert und erforderten vom Personal mehr Aufwand als die Barzahlung. Da war dann etwas Überredungskunst gefragt. Der Selfservice mit Kreditkarte an den Tanksäulen in den USA und Canada erfordert etwas Übung, zumal es noch verschiedene Varianten gibt, die man als Anfänger nicht ohne weiteres erkennt.
Die Qualität des Diesels hat uns niemals Probleme bereitet. Den Kraftstofffilter haben wir zu den planmäßigen Wartungsterminen getauscht und nicht, weil er seinen Dienst versagt hätte. Mit vier 20 l – Kanistern (die bewährten Blechkanister) auf dem Dach hatten wir uns auf eventuelle Versorgungsengpässe eingerichtet. Wir mussten niemals darauf zurückgreifen. Zur Entlastung habe ich in Peru zwei Kanister in den Tank gefüllt. Ein weiterer Kanister wurde in Prince Rupert aufgefüllt, weil auf der Fähre nach Port Hardy nur ein voller und zwei leere Reservekanister zugelassen waren. Ein leerer Kanister musste also entsorgt werden. Für die drei mitgeführten Kanister (leer und voll) war ein Zertifikat bezüglich des Inhaltes erforderlich, dessen Beschaffung einige Mühe bereitet hat. Den letzten Kanister habe ich dann in Montreal aufgefüllt, und auch dort hatte der Inhalt noch keinen Schaden genommen. Dieser Kanister lag zu diesem Zeitpunkt 10 Monate auf dem Dach unseres Wohnmobils und war den unterschiedlichen Wetter- und Luftdruckverhältnissen sowie den Erschütterungen ausgesetzt, die er mit seinem Inhalt unbeschadet überstanden hat.
Über die Kraftstoffpreise informiert die nachfolgende Tabelle. Einbezogen ist die Maut, die in allen bereisten lateinamerikanischen Ländern, besonders in Mexico, ein Thema war. Die Höhe hielt sich jedoch in Grenzen, wobei an den Mautstellen immer mal wieder Diskussionen zur Einordnung unseres Fahrzeuges erforderlich waren.
In Argentinien gab es an den meisten Tankstellen gesonderte Zapfsäulen für Ausländer, an denen der Preis etwa doppelt so hoch wie an den normalen Säulen war. Besonders an den Grenzen zu Chile sowie in den Touristenzentren war es schwierig, mit unserem Fahrzeug diese Zapfsäulen zu vermeiden. In zwei Fällen, an der Grenze zu Feuerland und in Bariloche, gab es leider keine Alternative bzw. konnten wir den Tankwart nicht zur Nachsicht bewegen und mussten den hohen Preis bezahlen.
Euro/l Diesel Maut [Euro] Argentinien 0,39 33,00 Chile 0,62 20,00 Peru 0,68 25,50 Ecuador 0,29 20,90 Mittelamerika 0,56 2,80 Mexico 0,41 79,60 USA 0,59 3,20 Canada 0,70 0,00 Gesamt 0,55 185,00
Auch mit dem Frischwasser hatten wir keine Sorgen. Campingplätze und Tankstellen waren die üblichen Bezugsquellen. Meistens passte sogar der mitgebrachte Schlauchanschluss. Ansonsten leistete der faltbare 20 l – Kanister und ein entsprechender Trichter die notwendigen Dienste. Manchmal mussten wir andere Quellen für unseren 100 l - Tank aufspüren. In den abgelegenen Regionen war das auch mal ein Brunnen mit Handpumpe oder ein vertrauenswürdiger Gebirgsbach, aus dem wir unseren Vorrat ergänzt haben. Diesem Wasser wurde ab und zu „certisil combina“ zugesetzt und damit dann der Wasserbedarf in Küche und Bad gedeckt. Trinkwasser in Flaschen/Kanistern wurde überall angeboten. In den tropischen Regionen haben wir vorsorglich auch für unseren Tee und das Zähneputzen das Supermarktwasser benutzt. Gesundheitliche Probleme aus der Sicht des Wasserkonsums hatten wir nicht.
Die Gasversorgung hat uns bei der Vorbereitung einige Sorgen gemacht, weil sie für die Funktionsfähigkeit der Küche (Kochen und Kühlschrank) sowie für die Heizung unbedingt erforderlich war. Wir hatten schon gehört, dass in allen Reiseländern die Beschaffung von Propan kein Problem ist, aber wir wussten nicht, ob wir das auch sicher in unsere Flaschen bekommen. Mit zwei deutschen 11 kg – Flaschen und einem breiten Adaptersortiment für den Füllstutzen sind wir gestartet. Für die Verschiffung von Hamburg nach Buenos Aires hatten wir die Flaschen entleert. Bei der Verladung wurde dieses Thema dann gar nicht berührt und wir haben uns über unsere Vorschriftentreue etwas geärgert.
In Buenos Aires stand nun der erste Füllvorgang auf der Tagesordnung, der mit unserem Spezialadapter bei einer einschlägigen Firma ohne Probleme über die Bühne ging. Dieser Adapter war dann auch bei allen weiteren Füllvorgängen die richtige Lösung. Auf dem gesamten Doppelkontinent gab es einen einheitlichen Anschluss für das Befüllen von Propangasflaschen. Da sieht es doch in Europa ganz anders aus. Trotzdem war die Gasbeschaffung nicht immer einfach. Unsere fremdartigen Flaschen verursachten sehr oft Unsicherheiten beim Personal mit der Konsequenz, dass wir ohne Ergebnis wieder abziehen mussten. So etwas passierte in Lateinamerika meistens an kleineren Einrichtungen. Bei den größeren Tankstellen konnten wir in der Regel einen Fachmann finden, mit dem sich über unser Anliegen erfolgreich diskutieren ließ.
In den USA war es dann umgekehrt. Dort ist an den Flaschen ein Befüllsicherheitsventil vorgeschrieben, das bei uns leider fehlte. Unseren Bedarf haben wir in den USA und auch in Canada deshalb an kleinen ländlichen Tankstellen gedeckt, weil sich die großen Abgabestellen streng an die Vorschriften hielten. Befüllaktionen hatten wir neben Argentinien in Chile, Peru, Costa Rica, Mexico, den USA und Canada. Dabei haben wir nie gewartet, bis die Flaschen leer waren, sondern haben die teilentleerten Flaschen nachfüllen lassen. Die Parameter unserer Flaschen waren an den Füllstellen ohnehin nicht geläufig. So war es immer notwendig, die richtige Füllmenge selbst zu ermitteln. Eine eigene Waage ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Außerdem muss man in der Lage sein, entsprechend den örtlichen Bedingungen die gewünschte Füllmenge in kg, lb, Liter oder Gallonen anzugeben. Einmal hatte mich in den USA der Befüller wohl nicht richtig verstanden. Er war schon ein ganzes Stück über die von mir genannte Menge hinaus und wartete offensichtlich auf das Zischen des Befüllventils. Da musste ich eingreifen und selbst den Hahn zudrehen. Insgesamt haben wir im Durchschnitt eine 11 kg – Flasche pro Monat verbraucht, wobei zu berücksichtigen ist, dass wir nur in ganz wenigen Fällen die Gasheizung benutzen mussten. Die Preise für Propan lagen etwa in der gleichen Größenordnung wie in Deutschland.
Für die Verschiffung von Ecuador nach Panama hatten wir die Gasflaschen gefüllt. Sie spielten bei dieser Prozedur keine Rolle. Anders war es bei der Verschiffung von Halifax nach Bremerhaven. Hier waren wir vorgewarnt, dass die Gasflaschen nicht nur leer, sondern außerdem gespült sein müssen. Während unseres längern Aufenthaltes in Montreal konnten wir die Sache dann klären. In der Firma Superior-Propan befassen sich einige Filialen mit diesem Thema. Eine davon befindet sich in Dartmouth, der Nachbarstadt von Halifax. Auch in einer Sattelitenstadt von Montreal haben wir eine solche Filiale gefunden. Die Zentrale von Superior-Propan hatte uns einen Preis von etwa 80 C$ genannt. Vor Ort mussten wir dann für eine Flasche 40 C$ bezahlen. Auch das ist noch eine ganze Menge und zwingt zu der Überlegung, die leeren Flaschen vielleicht besser vor Ort zu entsorgen. Wir hatten jedoch eine Alu-Flasche dabei, und da sieht es schon etwas anders aus. Auf dem Zertifikat für das Spülen stand zum Glück nicht die Anzahl der Flaschen, so dass wir das Zertifikat auf beide Flaschen ausdehnen konnten.
Für die Stromversorgung war zu beachten, dass es in den bereisten Ländern sowohl 220 V und 110 V gibt. In den Ländern mit 220 V konnten wir unser Wohnmobil ohne Probleme anschließen und alles wie gewohnt betreiben. Das war auf den Campingplätzen in Argentinien, Chile und Peru meistens der Fall. Mit den üblichen Adaptern kommt man an die dortigen Steckdosen auch irgendwie heran. Ab Ecuador bis zum Ende unserer Reise gab es ausschließlich 110 V. Da wir keinen 110/220 V-Wandler dabei hatten, konnten wir ab diesen Zeitpunkt die Elektroanschlüsse nicht mehr nutzen.
Für unsere Stromversorgung gab es neben der Lichtmaschine noch eine 50 W-Solaranlage auf dem Dach, die unsere beiden Aufbaubatterien immer ausreichend geladen hat. Damit konnte der Bedarf für die Beleuchtung, den Betrieb der Wasserpumpen und das Laden der vielen Geräte, wie Laptop, Video- und Fotokamera, Handy, Taschenlampe u.ä.m. immer voll gedeckt werden. Für das Laden der Kleingeräte hatten wir einen 12 V/220 V- Wandler mit 100/150 W, so dass wir dafür die normalen 220 V-Ladeeinrichtungen dieser Geräte nutzen konnten. Die Kapazität unserer beiden Aufbaubatterien hat auch in den langen Tropennächten, in denen es bekanntlich etwa 12 Stunden ohne lange Dämmerungsphase dunkel ist, genügend Strom für die Beleuchtung geliefert. Fernsehen, Klimaanlage u. ä. Dinge waren nicht zu betreiben.
Wenn man keinen leistungsfähigen 110/220 V-Wandler mitnehmen will, dann ist es für die 110 V-Region ganz zweckmäßig, wenn man wenigstens einige Geräte mit 110/220 V-Umschaltung dabei hat. Bei uns war das zumindest für den Haartrockner der Fall. Ein 220 V – Wasserkocher geht natürlich auch mit 110 V, leider jedoch nicht sehr wirkungsvoll.
Die ordnungsgemäße Entleerung von Toilettenkassette und Abwassertank gehört auch zu den Kleinigkeiten, für die ständig eine Lösung erforderlich ist. Wir haben dafür immer ein Örtchen gefunden und waren niemals gezwungen, die Sache mit dem Spaten im Gelände zu erledigen. Trotzdem waren wir in Lateinamerika meist auch auf diese Variante eingestellt, in dem wir Toilettenchemie nur sehr sparsam bzw. gar nicht verwendet haben. Die Entlüftung der Toilettenkassette hat die Chemie, die man in diesen Regionen in der uns bekannten Form auch nicht kaufen kann, recht gut kompensiert.
In den USA und Canada ist das selbstverständlich ganz anders. Dort gibt es überall die übliche Toilettenchemie und auch ordentliche Entsorgungsstationen, die jedoch nicht auf unsere Belange, sondern auf die Anschlüsse der dortigen Camper ausgerichtet sind. Die Entleerung einer Toilettenkassette bereitet da manchmal schon etwas Mühe.
Ein Thema in dieser Abteilung ist auch das Wäschewaschen, ohne dass man auf solch langer Reise einfach nicht auskommt. Die ersten Anforderungen auf diesem Gebiet haben wir mit Handwäsche auf Campingplätzen abgedeckt bis wir feststellten, dass überall ordentliche Wäschereien ihre Dienste anboten. In Lateinamerika war die Wäsche meistens abzugeben und konnte noch am gleichen oder am Folgetag wieder in Empfang genommen werden. In Nordamerika überwogen dann die Wäschereien mit Selbstbedienungsautomaten.
Mit dem goldenen Doppel (VISA- und Master-Card) vom ADAC sowie zwei Prepaid-Cards von American-Express glaubten wir uns für alle Fragen unseres Finanzbedarfes bestens gerüstet. Das war in der Praxis leider nur bedingt der Fall. Richtig ist, dass wir die Mehrzahl unserer Rechnungen an den Tankstellen und in Supermärkten in allen bereisten Ländern entweder mit VISA- oder Master-Card bezahlen konnten. Im Gegensatz dazu war die Akzeptanz von American-Express sehr stark eingeschränkt. Auch Geldautomaten gab es überall. Sie waren jedoch in den lateinamerikanischen Ländern sehr spärlich und auf die größeren Städte beschränkt. Dazu kam generell die Einschränkung der einzelnen Automaten auf bestimmte Karten und die starke Limitierung des möglichen Auszahlbetrages. Der lag bei 150 bis maximal 300 US$.
In der Regel hat das für unseren Bargeldbedarf ausgereicht. Problematisch war es jedoch in Ecuador, wo wir für den Ausflug auf die Galapagos-Inseln, die Verschiffung des Wohnmobils sowie die Flüge und Hotelübernachtungen in kurzer Zeit einen größeren Finanzbedarf hatten, der in einigen Punkten auch nur mit Bargeld abzudecken war. Wir sahen dabei zunächst keine Probleme, weil wir der Meinung waren, dass mit Hilfe unserer VISA- oder Master-Card, unserem Guthaben auf dem Kartenkonto und dem Verfügungsrahmen bei einer VISA-Vertragsbank das notwendige Bargeld zu beschaffen ist. Leider wurde uns auf der zuständigen Bank in Guayaquil eröffnet, dass sie uns auf unsere Karten kein Bargeld auszahlen können, noch nicht einmal den wöchentlich am Geldautomaten verfügbaren Betrag von 500 Euro.
Wir könnten jedoch unsere Bank in Deutschland anrufen und versuchen, das Problem zu klären. Die Bank stellte dafür ihr Telefon aber nicht zur Verfügung, so dass man sich etwas Entsprechendes suchen muss. Der Anruf auf dem VISA-Nottelefon brachte zunächst erst einmal etwa 12 Minuten Warteschleife, die in einer solchen Situation ganz schön an den Nerven zerren. Dann teilte die Bank mit, dass eine solche Barauszahlung tatsächlich nicht möglich ist. Erst nach langem Verhandeln mit Hinweisen auf unsere Situation und die versprochenen Hilfeleistungen des ADAC fand man sich bereit, eine Barauszahlung von 1000 US$ zu genehmigen. Für unsere anstehenden Verpflichtungen waren jedoch mindestens 4000 US$ erforderlich. Wir haben uns dann die 1000 US$ von der Bank geholt und nach weiteren Lösungen gesucht. Zum Glück hatten wir jeder die American-Express Prepaid-Card mit ausreichendem Guthaben. Nachdem wir die Bank für diese Karten gefunden hatten, konnten wir mehrfach jeweils 300 US$ am Automaten ziehen. Zusammen mit unserer Barschaft war damit wenigstens die Galapagos-Reise zu bezahlen.
Die Folge dieser Bargeldauszahlung auf der Bank war, dass sowohl VISA- wie auch Master-Card für die nächste Zeit für Bargeldabhebung am Automaten gesperrt waren. Damit hatten wir nicht gerechnet. Diese Sperrzeit betrug etwa 2 Wochen, in denen wir das Geld für die Verschiffung und auch die sonstigen Ausgaben zu beschaffen hatten. Es war sehr frustrierend, von den Automaten immer wieder abgewiesen zu werden. Mit entsprechenden Mails an die Bank versuchten wir die Sache zu klären, bekamen aber lange gar keine Antwort. Schließlich, als die mir unbekannte Sperrzeit abgelaufen war, gab es die Information, dass die Sperrzeit nur eine Woche ist, der Automat für die Kartenverwaltung aber auch gelegentlich unbeeinflussbare Verlängerungen einstellt. Dank American-Express gelang es dann, dass auch das Bargeld für die Verschiffung und den Lebensunterhalt noch zur Verfügung stand.
Die Schlussfolgerung für uns war, dass man solche Barauszahlungen offenbar noch zu Hause mit der Bank hätte vereinbaren müssen, was wir aus den Nutzungsbedingungen für die Karten jedoch nicht herausgelesen haben.
In den einzelnen mittelamerikanischen Staaten, in denen wir uns jeweils nur wenige Tage aufgehalten haben, und wo jedes Land seine eigene Währung hat, war die Geldbeschaffung ein besonderes Problem. Ausgenommen davon ist Panama, wo so wie in Ecuador der US $ das offizielle Zahlungsmittel ist und damit auch an den Geldautomaten gezogen werden kann. Ansonsten mussten wir immer erst checken, ob man an den Tankstellen und im Supermarkt mit Karte bezahlen kann und wie die Sache mit den Geldautomaten bestellt ist. Auf dieser Grundlage war dann der Finanzbedarf exakt zu kalkulieren, weil man ja auch mit übrig gebliebenen Geldern nicht viel anfangen kann. Zur Sicherheit haben wir immer an den Grenzen erst einmal einige Dollar in Landeswährung getauscht, wofür es jeweils zahlreiche private Anbieter gab. Der Kurs lag in der Regel nur wenig unter dem Kurs der Banken. Der Tausch an der Grenze war auch zur Bezahlung der zahlreichen Gebühren und Versicherungen in Landeswährung ganz zweckmäßig bzw. sogar notwendig. Man konnte das manchmal zwar auch in US$ bezahlen. Dabei wurde jedoch sehr stark nach oben aufgerundet.
Selbst in diesen Ländern wurden in der Mehrzahl der Fälle an der Tankstelle und in den großen Supermärkten Kreditkarten akzeptiert. Am wenigsten war dies in Guatemala der Fall. An einigen Geldautomaten in diesen Ländern kann man theoretisch zwischen der Landeswährung und US$ wählen. Zur Aufbesserung unserer geschrumpften Reserven haben wir mehrfach die Auszahlung von US$ versucht, jedoch immer den eingetippten Betrag nur in Landeswährung erhalten. Dafür waren die Gebühren für den Dollarbetrag berechnet. Leider haben wir bei Versuchen in Honduras mit VISA- und Master-Card auch bei den einschlägigen Banken keine Dollar bekommen. Dafür vermittelte eine Bank jedoch immerhin einen privaten Wechsler, der uns einige Lempira zu einem saftigen Kurs in US$ eintauschte.
Bei den Aktionen mit den Geldautomaten ereignete sich in Honduras ein kleines Missgeschick. In einem der Automaten wurde meine VISA-Card ordentlich eingezogen, dann aber stellte der Automat seine Arbeit ein. Meine Karte steckte drin und war mit keiner Aktion heraus zu bekommen. In der benachbarten Bank erklärte man mir, dass für den Geldautomaten eine Servicefirma zuständig ist und die Wiederbeschaffung der Karte durchaus einige Tage dauern kann. Diese Bank stellte mir immerhin ihr Telefon für den Anruf in Berlin zum Sperren der Karte zur Verfügung, denn wir hatten nicht die Absicht uns an diesem Geldautomaten für längere Zeit einzurichten. Mit dem Hinweis des Mitarbeiters am VISA-Nottelefon, dass ich ja noch die Master-Card habe und bei Bekanntgabe einer geeigneten Adresse mir umgehend eine Ersatz-VISA-Card zugeschickt würde, schien das Problem erst einmal gelöst.
Als wir jedoch zwei Tage später an der Tankstelle bezahlen wollten, funktionierte die Master-Card nicht. Die Rechnung konnten wir dann mit einer American-Express begleichen. Nachdem uns einen weiteren Tag später von der Bank per e-Mail mitgeteilt wurde, dass wir eine geeignete Adresse für die Zusendung der „Ersatz-Master-Card“ bekannt geben sollten, wurden wir doch ein bisschen nervös und haben auch entsprechende e-mails nach Berlin geschickt. Hatte man da vielleicht die falsche Karte gesperrt? Wir haben das niemals ordentlich aufklären können. Nach zwei weiteren Tagen funktionierte die Master-Card wieder und in der folgenden Abrechnung gab es auch keine Unregelmäßigkeiten auf dem Konto. Die Ersatz-VISA-Card erhielten wir dann ordnungsgemäß in Mexico, wo wir einen sehr zuverlässigen Bekannten haben.
In der Folgezeit haben mir die Karteschlitze der Geldautomaten immer sehr großes Unbehagen bereitet. Außer gelegentlichen Bedien- und Akzeptanzproblemen hatten wir jedoch keine weiteren Schwierigkeiten mit diesen Geräten.
In Mexico und wie erwartet in den USA und Canada war die Geldbeschaffung am Automaten kein Problem. Erstaunlich niedrig waren hier jedoch Limitbeträge.
Trotz der recht guten Bedingungen für die Beschaffung von Bargeld in den Landeswährungen war es zweckmäßig, immer eine angemessene Menge Bargeld in US$ dabei zu haben. Mit einem 1 – bis 20 $ - Schein (größere Scheine haben wir nicht zu sehen bekommen) war auch in den lateinamerikanischen Ländern, in denen der US$ nicht das offizielle Zahlungsmittel ist, so manches Problem auf der Straße zu lösen. In den offiziellen Wechselstellen konnte man selbstverständlich auch den Euro verkaufen.
10. Sicherheit
Die Sicherheit ist für den Wohnmobilisten ein immer aktuelles Thema. In den zu bereisenden Regionen hat sie nach vielen Berichten und Erzählungen offenbar einen besonderen Stellenwert. Die Erlebnisse, die diesbezüglich geschildert werden, umfassen selbstverständlich die gesamte Palette und reichen bis zum Agieren falscher Polizisten und Kidnapping mit Todesfolge. Auch die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes machen nicht unbedingt Mut, sich in diese Länder in der von uns geplanten Art und Weise zu begeben.
Wenn man all diese Aussagen sehr ernst nimmt, dann sollte man eigentlich zu Hause bleiben. Zweifellos hat jeder dieser Berichte einen gewissen Wahrheitsgehalt und auch die Empfehlungen sind ernst zu nehmen. Trotzdem sind wir nicht davon ausgegangen, dass die Situation in diesen Ländern ausschließlich durch solche Bedingungen geprägt ist und dass mit dieser Annahme auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, von solchen Ereignissen verschont zu bleiben.
Mein aus Uruguay stammender Studienfreund hatte uns mit seiner echten südamerikanischen Mentalität noch empfohlen, vor der Reise unbedingt Schießübungen zu machen und uns für die auf jeden Fall zu erwartenden Schlangenbisse mit entsprechendem Gegengift auszustatten. Auch diesen Insiderrat haben wir in den Wind geschlagen.
Trotzdem haben wir uns zur Sache sehr viele Gedanken gemacht und auch einige Vorkehrungen getroffen. Neben zusätzlichen Erschwernissen gegenüber eventuellen Einbruchversuchen in unser Fahrzeug betraf das vor allem die Aufbewahrung der Wertsachen und Dokumente.
Die Fenster des Wohnaufbaus hatten Vorrichtungen, die das Aufbrechen bzw. Einsteigen ein bisschen erschwerten. Die Aufbautür hatte eine zusätzliche Sicherung. Im Fahrerhaus haben wir die beiden Türen beim Abstellen am Tage und auch in der Nacht über eine Kette mit Vorhängeschloss gegeneinander verspannt. Die Heckleiter zum Besteigen des Daches war abgebaut. Alle diese Dinge waren weithin sichtbar und vermittelten einem potentiellen Täter auf jeden Fall die Erkenntnis, dass wir uns bezüglich der Einbruchsicherheit ein paar Gedanken gemacht haben.
Die Scheiben des Fahrerhauses hatten wir von einer Spezialfirma innen und außen mit entsprechender Folie bekleben lassen. Für die Frontscheibe war das auch ein zusätzlicher Schutz gegen Steinschlag. Leider war die Kratzfestigkeit der Folien doch nicht so wie versprochen. Nach etwa 12.000 km mussten wir die äußere Folie von der Frontscheibe entfernen.
Mit diesen Maßnahmen ist man natürlich keineswegs gegenüber professionellen Akteuren geschützt. Den Zufallstätern kann man die Sache jedoch etwas erschweren und sie zum Aufgeben veranlassen, wenn keine leichte Beute möglich ist. Kein Rezept gibt es bekanntlich gegen einen Abtransport des abgestellten Fahrzeuges. Wir haben uns eine solche Variante damit ausgeredet, dass unser Wohnmobil durch das Aussehen und die Motorisierung überall wie ein bunter Hund auffällt und in den betreffenden Ländern für einen Dieb nicht besonders nützlich ist.
Ein genereller Grundsatz von uns ist, abends das Wohnmobil so aufzuräumen, dass jederzeit ein sofortiger Start möglich ist. Das war selbstverständlich auch mit der Kette an den Fahrerhaustüren möglich. Auf nach unserer Meinung diffizilen Stellplätzen gehört dazu weiterhin eine entsprechende Positionierung des Fahrzeugs.
Wertsachen wie Laptop, Kameras usw. waren „am Mann“ und/oder mit etwas Streuung in festen, verschließbaren Behältnissen im Fahrzeug deponiert. Das Gleiche betraf die Dokumente, Kreditkarten und das Geld. Von den Dokumenten und Kreditkarten hatten wir die Kopien in Papierform im Fahrzeug und die auf einer Speicherkarte abgelegten Kopien am Mann. Die Dinge, die am Mann zu tragen waren und zu denen meist auch der PDA gehörte, hatten wir in einer in Form eines Schulterhalfters selbst gefertigten Tasche. Das war vor allem bei Rundgängen in Großstädten eine zweckmäßige Lösung.
Unsere Foto- und Videokameras waren nicht sehr auffällig. Die kleinen Digitalkameras sowie die Videokamera mit Festplatte konnten wir ohne Probleme, selbstverständlich mit entsprechender Sicherung, in eine Hosen- oder Hemdentasche stecken.
Für ungebetene nächtliche Besucher an unserem Auto hatten wir eine Sirene auf dem Dach parat, die wir in einer solchen Situation einschalten wollten, sowie Pfefferspray, Taschenlampe und eine auf Blitz eingestellte Kamera griffbereit. Die Anwendung einiger dieser Dinge wäre in entsprechenden Situationen auch am Tage denkbar gewesen. Wir sind niemals auch nur annähernd in eine Situation gekommen, die Anlass zur Anwendung eines dieser Mittel gegeben hätte. Da wir den Umgang nicht geübt hatten gibt es auch große Zweifel, dass wir in einem ernsten Bedarfsfall das notwendige Geschick entwickelt und die gewollte Wirkung erzielt hätten.
Uns haben weder falsche Polizisten aufgelauert noch ist uns aufgefallen, dass sich jemand uns oder unserem Fahrzeug mit verdächtigen Absichten genähert hätte. Selbst in den sehr häufigen Situationen, wo das Wohnmobil ohne Aufsicht abgestellt war, gab es keine sichtbaren Zugriffsversuche. Wir haben auch von den Reisenden, denen wir unterwegs begegnet sind oder mit denen wir während der Reise Kontakt hatten keine sicherheitsrelevanten Probleme gehört. Natürlich haben wir uns immer bemüht, erkennbaren Gefahrenquellen möglichst aus dem Wege zu gehen.
11. Einige Begegnungen mit der Polizei
Begegnungen mit der Polizei sind in Lateinamerika ein unvermeidliches und tägliches Erlebnis. An wichtigen Kreuzungen von Landstrassen, Ortsein- und -ausgängen und sonstigen exponierten Punkten gibt es fest installierte Kontrollpunkte. Man findet sie auch auf freier Strecke oder in kleineren Orten, wo der Dorfpolizist dann seines Amtes waltet. In Mexico ist auch das Militär in dieser Sache tätig, wobei solche Kontrollstellen sogar mit MG-Nest ausgestattet sind.
Leider haben wir gleich an den ersten Tagen in Argentinien unsere unangenehmen Erfahrungen mit der Polizei machen müssen. Bei der ersten wurde uns zu hohe Geschwindigkeit vorgeworfen, bei der zweiten das fehlende vordere Kennzeichen moniert. Während der Geschwindigkeitsvorwurf völlig unbegründet war, es gab ja auch keinerlei Messgeräte, waren wir bei der zweiten Sache doch etwas unsicher. Die beiden Vorfälle ereigneten sich in der Provinz Entre Rios, die, wie wir später erfuhren, für solche Polizeiaktionen bekannt sein soll. Sehr schnell wurden uns astronomische Summen für unsere Strafe benannt. Da wir diese Summen nicht auf den Tisch legen wollten, folgten längere Diskussionen, in denen dann irgendwann von dem Beamten die Frage gestellt wurde „wie viel willst du denn geben?“. Ab diesem Zeitpunkt hat sich die eigene Position schon wesentlich verbessert, weil die Diskussion ihren offiziellen Charakter weitgehend verloren hat. Trotzdem machte es in beiden Fällen noch sehr viel Mühe, sich auf eine für uns angemessene Summe zu einigen. Im zweiten Fall gab es sogar noch einige Handgreiflichkeiten, weil der Beamte das konfiszierte Kennzeichen nicht wieder herausrücken wollte. Die Eskalation der Angelegenheit mit vielleicht doch sehr unangenehmen Folgen für uns stand da auf des Messers Schneide. Schließlich sind wir in beiden Situationen noch glimpflich mit einem „propino“ von 10 bis 15 € davongekommen.
Nach diesen unangenehmen Erfahrungen haben wir bei künftigen Ereignissen dieser Art folgende Verhaltensweise praktiziert. Zunächst hatten wir von allen relevanten Dokumenten laminierte Kopien, die, wie an anderer Stelle bereits vermerkt, auf den ersten Blick ganz offiziell aussahen. Das betraf unsere Pässe sowie die nationalen und internationalen Fahrzeug- und Führerscheine. Gefragt waren gelegentlich auch die Importgenehmigung und die Fahrzeugversicherung, die wir selbstverständlich auch nur als Kopien aushändigten. Bei keiner der vielen Polizeikontrollen hatten wir damit Probleme. Mit den meisten Dokumenten weiß man ohnehin nicht sehr viel anzufangen.
Bevor wir an einen Kontrollposten heranfuhren haben wir uns immer irgendwelche Fragen überlegt, z.B. nach dem nächsten Campingplatz oder einer Tankstelle, womit wir den Beamten erst einmal mit unserm Thema beschäftigt hatten. Sehr oft sind wir dann überhaupt nicht zu seinem Thema gekommen. Eine andere Variante war, den Beamten gleich erst einmal zu fragen, ob wir vielleicht etwas falsch gemacht haben. Wenn dies der Fall gewesen wäre, dann hätten wir uns das Delikt von ihm aufschreiben lassen, um es dann umständlich mit Hilfe des Wörterbuches zu übersetzen. Da wir immer, wenn wir diese Frage gestellt haben, alles richtig gemacht hatten, kam es niemals zu diesem zweiten Schritt. Erst wenn unsere Frage verneint war, haben wir unsere Dummys ausgehändigt.
Einmal war außer den Dokumenten auch die Überprüfung unserer Ausrüstung fällig. Dazu gehörten neben der üblichen Funktionskontrolle von Beleuchtung und Bremse auch die Existenz von mindestens zwei Warndreiecken, Sicherheitswesten und Feuerlöscher, einschließlich der Gültigkeit des Prüfstempels. Diese Dinge sollte man auf jeden Fall dabei haben.
Wichtig ist, nach Möglichkeit eine Brücke zu bauen, wenn sich die Fronten verhärtet haben oder der Polizist mit seiner Argumentation in eine Sackgasse geraten ist. Der Hinweis, dass wir als Ausländer auf die Hilfe der Polizei angewiesen sind und uns diese Hilfe bisher bei allen seinen Berufskollegen in den bereisten Ländern gewährt wurde, wirkte auch bei den Polizisten in Lateinamerika und hat uns mehrfach aus kniffligen Situationen geholfen. So z. B. in Puno, wo wir eine Verkehrsregelung nicht beachtet haben sollten und in Panama, wo man uns des Überholens bei gelber Doppellinie beschuldigte.
n Mexico geht der Polizei ebenfalls kein besonders guter Ruf voraus. Trotzdem hatten wir keine unliebsamen Begegnungen. Außer den üblichen Straßenkontrollen gab es in Mexico zweimal Kontakt mit schwer bewaffneten Patrouillen, die während unserer Teezeit am Straßenrand bei uns anhielten und sich für das Woher und Wohin sowie für unser Wohnmobil interessierten. Nachdem diese Themen erschöpft waren haben sie uns kundgetan, dass sie Durst hätten und ob sie nicht etwas zu Trinken bekommen könnten. Da wir die Wünsche auf Cola, Bier u.ä. nicht erfüllen konnten bzw. wollten, haben sie sich schließlich mit einer halben Flasche Wasser begnügt und sind grinsend davongefahren. Bei der zweiten Begegnung waren wir schon besser vorbereitet und konnten wunschgemäß eine Flasche gekühltes Wasser überreichen. Von unserem Bekannten erfuhren wir später, dass die schwach besoldete Polizei mit solchen Aktionen ihr Einkommen etwas aufbessert, wobei der Durst und die Getränke nur der Aufhänger für ein angemessenes „propino“ sind. Das verstehen die Einheimischen sehr gut und handeln auch entsprechend. Zum Glück hat man uns unser Unwissen in dieser Frage amüsiert nachgesehen.
Nach den geschilderten ersten beiden Aktionen in Argentinien haben wir auf der ganzen weiteren Reise nicht mehr an die Polizei bezahlt.
Tatsächlich haben wir die Polizei sehr oft als Helfer in Anspruch genommen. So waren sie die bevorzugten Ansprechpartner, wenn wir den Weg nicht wussten. In Cusco ist sogar ein Polizist mit in unser Auto gestiegen, um uns sicher zum gewünschten Ort zu geleiten. Wir haben ihm dann das Taxi für die Rückfahrt zu seinem Arbeitsplatz bezahlt. Zur Polizei sind wir auch gegangen, wenn wir mit unserem Latein bei der Suche nach einem Übernachtungsplatz am Ende waren. Beispielsweise haben wir in Santiago de Chile drei Nächte auf dem Parkplatz einer Polizeistation gestanden, weil diese Stadt keinen Campingplatz hat. Auch an anderen Stellen war die Polizei unsere letzte und oftmals sehr gute Rettung.
Neben den Polizeikontrollen gab es vor allem in Argentinien mitten im Lande mehrfach die bereits bei den Grenzübertritten beschriebenen Agrarkontrollen. Sie fanden vorwiegend an den Provinzgrenzen, manchmal jedoch auch an anderen Stellen statt. Wenn man größere Verluste vermeiden will, dann sollte man ständig auf solche Überraschungen vorbereitet sein.
Die unvermeidbaren Begegnungen mit der Polizei sind einer der Gründe, warum man beim Bereisen dieser Länder unbedingt ein Mindestmaß an spanischen Sprachkenntnissen haben sollte.
In den USA hatten wir keinerlei Begegnungen mit der Polizei. In Canada gab es lediglich eine einzige ganz harmlose Straßenkontrolle an der Grenze der Provinz Yukon nach British Columbien.
12. Der Besuch von landschaftlichen und kulturellen Highlights
Obwohl man bei der Fahrt mit dem Wohnmobil ständig die landschaftlichen Highlights serviert bekommt, wollten wir diesen Teil selbstverständlich nicht auf den Blick aus dem Fahrzeugfenster beschränken. Unter diesem Aspekt waren bereits vor der Reise viele solcher Punkte als Meilensteine in das Programm aufgenommen worden, zu vielen weiteren haben wir uns vor Ort entschieden.
Die Mehrzahl dieser Highlights kann man auf dem gesamten Doppelkontinent in den National-State- bzw. Provinzparks erleben. Diese Parks sind touristisch sehr gut erschlossen und kosten Eintritt. In Lateinamerika unterscheidet sich der Eintrittspreis zu den Parks und auch zu allen anderen Kulturstätten für Ausländer ganz wesentlich von dem, was die Einheimischen zu zahlen haben. Das fanden wir bei den bestehenden Einkommensverhältnissen durchaus in Ordnung, wenn man davon ausgehen kann, dass dieses Geld für die Erhaltung dieser Stätten eingesetzt wird. Trotzdem waren wir an einigen Stellen etwas schockiert. Dazu gehörten beispielsweise die finanziellen Aufwendungen für den Besuch von Machu Picchu oder auch der Besuch der Galapagos-Inseln. Neben dem erhöhten Flugpreis waren dort zusätzlich 100 US$ pro Person Eintritt zu bezahlen. Schließlich hatten wir uns jedoch auf diese Verhältnisse eingerichtet, nicht mehr mit den Eintrittspreisen gehadert und alle diese Attraktionen in vollen Zügen genossen.
Mit etwa 12 % an den Gesamtkosten war dieser Teil immerhin auch von der finanziellen Seite eine beachtenswerte Position, die dann in den USA und Canada jedoch nicht mehr ganz so stark belastet wurde. Dort gab es keine Preisunterschiede zwischen Ausländern und Einheimischen. In beiden Ländern haben wir uns für die Nationalparks eine Jahreskarte gekauft, die in den USA 80 US$ und in Canada für Pensionäre 107 C$ kostete. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn in den USA haben wir 18 und in Canada 11 Nationalparks besucht.
Unsere Wanderambitionen haben wir im wesentlichen auf die Parks beschränkt. Da gab es sehr attraktive und auch ausgedehnte Wege und meist recht gutes Kartenmaterial. Für Exkursionen in die Wildnis boten die meisten Parks ebenfalls ausreichende Möglichkeiten. Wanderversuche außerhalb solcher Einrichtungen haben wir sehr schnell aufgegeben. Die Erlebnisse in der Wildnis ohne Wege und sichere Orientierungsmöglichkeiten passten nicht so recht in unser Programm. In Chile und Argentinien steht man außerdem immer gleich vor Zäunen. Wir hatten dort den Eindruck, dass das ganze Land eingezäunt ist.
In Nordamerika war auch in den Parks die Begegnung mit Wildtieren ein wichtiges Thema. Verhaltenshinweise bei eventuellen Begegnungen wurden im Süden in Bezug auf Berglöwen gegeben, ansonsten waren über all die Bären aktuell. Auf den Camping- und Rastplätzen gab es spezielle Behälter für das Deponieren von Lebensmitteln und Abfällen. Unsere Wildlife-Begegnungen hatten wir fast ausschließlich dann, wenn wir uns in relativ sicherer Position befanden. Trotzdem war uns auf vielen Wanderungen nicht ganz wohl, denn frische Spuren von Bären haben unseren Weg sehr oft gekreuzt. Abendlichen Bärenbesuch hatten wir an einem schönen freien Stellplatz in British Columbien. Aber auch dort konnten wir uns noch rechtzeitig in das Wohnmobil retten und dann die Sache in aller Ruhe durch die Fenster betrachten.
Selbstverständlich konnten wir nur einen ganz geringen Bruchteil der landschaftlichen und kulturhistorischen Attraktionen erleben. Trotzdem glauben wir, mit unserer bescheidenen Auswahl einen kleinen Eindruck von den bereisten Regionen bekommen zu haben.
13. Die Verschiffung von Süd- nach Mittelamerika
Diese Sache gestaltete sich zu dem erwarteten Problempunkt. Dabei hätte nach den Beschreibungen anderer Reisender alles eigentlich bestens klappen können. Es lief dann trotzdem nicht ganz reibungslos, obwohl wir die Sache letztendlich ohne Schaden und in dem geplanten Zeitfenster realisieren konnten. Die etwas ausführlichere Darstellung zu diesem Punkt trägt einmal seiner Bedeutung für unser Unternehmen Rechnung und vermittelt außerdem einen kleinen Eindruck davon, wie in dieser Gegend manche Dinge so laufen können.
Wir wussten, dass die chilenische Reederei CSAV etwa alle vier Wochen eine Verbindung hat, die unter anderem die Häfen Manta (Ecuador) und Balboa (Panama) tangiert. Zum Agenten von CSAV, tansoceanica, mit Sitz in Guayaquil hatten wir bereits im Vorfeld e-mail-Kontakte herstellen können. Als die Sache im Dezember 2006 aktuell wurde, haben wir versucht, den e-mail-Kontakt zum betreffenden Mitarbeiter zu aktivieren, um die Dinge für den gewünschten Termin im Februar zu organisieren. Trotz mehrfacher Versuche gab es keine Antwort. Erst im Januar gelang es schließlich, einen anderen Mitarbeiter bei transoceanica zu finden, der sich mit unserer Sache befassen wollte.
Der Segelliste von CSAV im Internet hatten wir inzwischen entnommen, dass auf der Linie im Januar und März entsprechende Schiffe laufen, aber nicht im Februar. Schließlich wurde von transoceanica mitgeteilt, dass auch am 15.02.07 ein Schiff geht, aber kein RoRo, sondern ein normaler Frachter. Mit einem normalen Frachter hatten wir etwas Mühe in Bezug auf die Verladung, die doch zu erheblichen Beschädigungen des Fahrzeuges führen kann. Wir haben dann versucht, bei transoceanica die Verladetechnologie zu klären, denn auch auf einer Palette könnte das Fahrzeug relativ sicher verladen werden. Weniger Vertrauen hatten wir zum Bananennetz. Parallel dazu haben wir schon mal die Passage bestellt und dazu auch alle notwendigen Daten geliefert mit der Option, die Entscheidung in Abhängigkeit von der Verladetechnologie noch zwischen Februar und März treffen zu können.
Zu diesen Anfragen gab es trotz mehrfacher Nachfragen von transoceanica keine Reaktion. So haben wir als Alternative zwischenzeitlich die Fahrt über Kolumbien mit einer Verschiffung von Carthagena nach Costa Rica ins Auge gefasst. Diese Möglichkeit wird von Horn-Line angeboten, was wir bereits zu Haus recherchiert hatten. Zur Fahrt durch Kolumbien gab es inzwischen von anderen Reisenden auch relativ positive Aussagen, wir wollten eine solche Fahrt aber doch nicht allein machen. Leider haben wir unter den Südamarika-Fahrern niemanden gefunden, der etwa zur gleichen Zeit ähnliche Ambitionen wie wir gehabt hätte. So mussten wir unabhängig von den weiteren Vor- und Nachteilen des Horn-Line-Angebotes auf diese Alternative verzichten.
Zum Glück besaßen wir in Guayaquil Kontakt zu einem deutschstämmigen Ecuadorianer, der uns versprach, bei der Lösung unseres Problems mit seinen Möglichkeiten zu helfen. Wir sind deshalb nach Einreise in Ecuador auf schnellstem Wege nach Guayaquil gefahren, obwohl diese Stadt durch ihre weniger attraktiven Bedingungen, darunter das Klima in dieser Jahreszeit, von den Südamerika-Reisenden eher gemieden wird. 30 bis 35° C, 95 bis 100 % Luftfeuchtigkeit sowie abends und nachts sehr aktive Moskitos waren dann auch die nicht sehr angenehmen Bedingungen während unseres Aufenthaltes.
Auf dem Hof des Unternehmens unseres Bekannten fanden wir für diesen Aufenthalt Asyl mit unserem Wohnmobil. Mit seiner Unterstützung konnten wir transoceanica aufsuchen und dort erfahren, dass am 19.02.07 ein RoRo-Schiff von Manta nach Balboa geht, was wir selbstverständlich gleich gebucht haben. Als ein Problem bei der ganzen Sache stellte sich heraus, dass der 19.02.07 der Carnevals-Montag ist und praktisch von Freitag bis Dienstag das Arbeitsleben in den Carnevalshochburgen von Ecuador ruht. Das hatte die Konsequenz, das Fahrzeug bereits am 15.02.07 abzufertigen und im Hafen von Manta abzustellen. Parallel dazu war unsere Flugpassage von Manta nach Panama zu organisieren. Die bisherigen Empfehlungen waren, das Timing der Flugpassage mit der Schiffspassage abzustimmen und die Flüge bei Klarheit zur Schiffspassage in Manta zu buchen. Unser Partner in Guayaquil riet uns jedoch, die Flüge sofort zu buchen, weil an dem besagten Carnevals-Wochenende die Ecuadorianer auch international sehr intensiv unterwegs sind. Wir haben uns deshalb entschlossen, am 17.02.07 von Manta nach Quito und am 20.02.07 von Quito nach Panama zu fliegen.
Bei der Flugbuchung nach Panama stellte sich heraus, dass man nach Panama nur dann einreisen kann, wenn man ein Wiederausreiseticket vorweist. Unser Hinweis auf die Ausreise mit dem Auto wurde nicht anerkannt, wir hatten dafür keinen Nachweis. Den gibt erst mit der Bill of Loading, die man nach der Verladung des Fahrzeugs auf das Schiff erhält. Mit der Bill of Loading kann man dann zur Panamaischen Botschaft in Quito gehen und dort eventuell die gesicherte Wiederausreise bestätigt bekommen. Diese Prozedur passte natürlich überhaupt nicht in unser Timing. Deshalb sind wir nochmals zu transoceanica gegangen mit der Vorstellung, dort eine vorläufige Bill of Loading zu erhalten, die dann vielleicht auch bei der Botschaft in Quito oder beim Panamaischen Konsul in Guayaquil ausgereicht hätte. Dieses Papier hat uns transoceanica nicht gegeben, dafür aber die Empfehlung, doch einen Hin- und Rückflug zu buchen, der zudem noch ein paar Dollar billiger als der Einfachflug ist. Unter diesen Bedingungen haben wir das Ticket erhalten und natürlich auch gleich entsprechende Hotelreservierungen in Quito und Panama vorgenommen.
Über die Probleme bei der Bezahlung der Flugtickets mit Kreditkarte und die Geldbeschaffung mit unseren Kreditkarten für die notwenige Barbezahlung unserer Reise auf die Galapagos-Inseln ist an anderer Stelle bereits berichtet.
Nach diesen Aktionen waren wir auf den Galapagos-Inseln und dann in den Ecuadorianischen Anden, um schließlich rechtzeitig am 13.02.07 in Manta einzutreffen. Die ersten Wege führten zur Agentur von transoceanica und zum Zoll. Dabei waren mehrere Anläufe erforderlich, weil man selten zu der Zeit erscheint, wo die zuständigen Leute auch im Büro sind. Beim Zoll wurde mitgeteilt, dass angesichts der Feiertage die Abwicklung spätestens am Freitag erfolgen sollte. transoceanica empfahl dagegen, das bereist am Donnerstag, dem 15.02.07 zu machen, weil man ja nie wissen kann. Nun erfuhren wir auch, dass mit unserem Wohnmobil in Manta auf dem gleichen Schiff vier weitere Wohnmobile nach Costa Rica bzw. Guatemala verladen werden. Deutsche waren jedoch nicht darunter.
Der Schiffstermin hatte sich inzwischen vom 19. auf den 20.02.07 verschoben. Am 20.02.07 sollte unser Wohnmobil nun verladen werden und danach würde uns in Verbindung mit der Bezahlung die Bill of Loading ausgehändigt. Eventuell hätte es mit dieser Verschiebung sogar ausgereicht, wenn wir das Wohnmobil erst am 20.02.07 in den Hafen gebracht hätten mit der Option, es auch selbst auf das Schiff zu fahren. Ein solcher Ablauf passte aber überhaupt nicht mehr mit unseren bereits organisierten und gebuchten Abläufen zusammen. Mit transoceanica konnten wir dann eine solche Verfahrensweise vereinbaren, dass wir nach Abfertigung und Einlagerung des Fahrzeuges am 15.02.07 im Hafen einen Draft der Bill of Loading erhalten und auch sofort gegen Quittung bezahlen können, selbstverständlich in Bar. Das Original der Bill of Loading würde von transoceanica zum gegebenen Zeitpunkt an die Agentur in Panama-City geschickt, wo wir es uns für die Auslösung des Fahrzeuges aus dem Hafen abholen können.
So haben wir es dann auch gemacht, jedoch mit sehr großen Bedenken unsererseits, ob wir uns damit nicht zusätzliche Probleme organisiert haben. Neben den Unsicherheiten in der Kommunikation, von denen es ja bereits einige Kostproben gab, bestand vor allem die Möglichkeit, dass sich mit dem Schiff weitere Veränderungen ergeben oder unser Wohnmobil vielleicht gar nicht verladen wird. Man kann ja mal etwas vergessen. Außerdem war das Wohnmobil über einige Tage im Hafen von Manta abgestellt, wo auch so allerhand passieren kann. Es gab also genügend Schwachpunkte in unserer Variante. Wir sind trotzdem dabei gelblieben.
Am 15.02.07 waren wir bereits um 8 Uhr mit dem Fahrzeug beim Zoll. Der zuständige Beamte kam um 9 Uhr. Ich war aber der Erste und der Beamte war noch gutgelaunt. Die Sache änderte sich dann recht schnell, denn er fand unser Fahrzeug nicht in seiner Datei. Die Schuld dafür wurde zunächst natürlich erst einmal bei mir gesucht und in Verbindung damit nach allen möglich weitern Dokumenten gefragt, unter anderem auch nach dem Carnet de Passage. Schließlich konnte ich ihn mit meinem bescheidenen Spanisch überzeugen, dass meine Papiere in Ordnung sind und ein Carnet de Passage seit einiger Zeit auch in Ecuador nicht mehr benötigt wird. Er hat dann seinerseits nach einer Lösung gesucht, nach umfangreichen Abstimmungen mit längerer Abwesenheit unser Fahrzeug neu in das System eingegeben und mir nach entsprechender Kontrolle des Fahrzeuges die notwendigen Papiere ausgehändigt. Meiner Aufmerksamkeit war es dabei zu verdanken, dass die Stempel auch auf alle Exemplare dieser wichtigen Papiere gekommen sind.
Beim Eintragen des Verschiffungstermins auf den Papieren wurde noch im gleichen Büro moniert, dass die Abfertigung nicht mit 5 Tagen Vorlauf gemacht werden kann. Wiederum in meinem bescheidenen Spanisch habe ich dann zu erklären versucht, dass es doch die beiden Feiertage und das Wochenende gibt, niemand an diesen Tagen arbeitet und außerdem auch Straßensperren denkbar sind. Mit dieser Argumentation und der zusätzlichen telefonischen Rückfrage bei transoceanica wurde diese erste Hürde genommen. Es kam dann ein Mitarbeiter von transoceanica, der uns mit dem Wohnmobil in den Hafenbereich zur Abwicklung der weiteren Schritte bringen wollte.
Für das Verständnis der weitern Abläufe ist zu bemerken, dass der Hafen Manta am 01.02.07 einen neuen Eigner bekommen hat, womit offenbar auch einiges in der Organisation und im Personal geändert wurde. Leider sind wir in diese Umstellungs- und Anlaufphase mit ihren vielen Unsicherheiten geraten. Die erste Folge war, dass wir mangels entsprechender Genehmigungen nicht in den Hafen gelassen wurden. Langwierige Verhandlungen und Telefonate des transoceanic-Mitarbeiters führten schließlich dazu, dass entsprechende Chefs erschienen und die Wächter an der Pforte, auf die ich später noch zurückkomme, bewegten, uns in den Hafen einzulassen, allerdings mit der Auflage, dass der Beifahrer, also meine Frau, draußen bleiben musste.
An der nächsten Kontrollstation, der Drogenkontrolle, war nichts los und die Beamten saßen schwatzend am Tisch. Sie waren jedoch der Meinung, dass sie die Kontrolle jetzt nicht machen könnten und fingen wieder eine Polemik über die lange Zeitspanne zwischen Kontrolle und Verschiffung an. Schließlich konnte ich erreichen, dass meine Kontrolle doch am gleichen Tag um 13 Uhr (aktuelle Zeit war 10.30 Uhr) erfolgt. Ich habe dann den Fehler gemacht und bin wieder aus dem Hafen herausgefahren. Bei den Wächtern am Eingang wurden mit Hilfe des transoceanic-Mitarbeiters meine Personen- und Fahrzeugdaten hinterlassen mit der Vereinbarung, dass ich um 13 Uhr wieder Einlass erhalte.
Ich habe meine Frau nun mit unserem Reisegepäck im Hotel abgeliefert und bin um 13 Uhr frohgemut wieder am Hafeneingang vorgefahren. Obwohl es die gleichen Personen wie am Vormittag waren, wurden ich und mein Fahrzeug weder erkannt, noch gab es Erinnerung an unsere Vereinbarung. Die Wächter erklärten mir in sehr südamerikanischer Machoart, dass ich nicht die richtigen Papiere habe und deshalb nicht in den Hafen komme. Eine Auskunft, welche Papiere ich benötige und wo ich die erhalten könnte, konnten bzw. wollten sie mir nicht vermitteln. Sicherlich waren da meine mangelnden Sprachkenntnisse auch ein Hindernis.
In meiner Verzweiflung bin ich zunächst in die Stadt zu transoceanica gefahren, die aber zu dieser Zeit Siesta hatten. Meine nächste Hoffnung war der Zoll am Hafen, mit dem ich vormittags hantiert hatte. Der Beamte hatte auch Siesta, kam jedoch nach 15 Minuten mit der Erklärung, das dies eine Sache der Hafenbehörde und damit nicht sein Job ist. In der Umgebung befanden sich jedoch einige andere Personen, darunter auch Zoll- und andere Beamte, die meine Verzweiflung bemerkten und versuchten, mir Ratschläge zu geben. Es stellte sich jedoch heraus, dass es zwar viele Meinungen gab, aber niemand die neuen Bestimmungen kannte und damit auch nicht wusste, was ich brauche und wo ich das bekommen könnte.
Zum Glück war unter diesen „Fachleuten“ auch ein junger Mann mit englischen Sprachkenntnissen, den ich nach einigen Diskussionen bewegen konnte, mit mir zu den Wächtern am Hafeneingang zu fahren, um mir mit seiner Assistenz die notwendigen Schritte für den Hafenzugang erklären zu lassen. Die Wächter sagten ihm, dass wir die Zugangsgenehmigungen bei oder mit Hilfe von transoceanica besorgen müssten. Die erneute Vorsprache bei transoceanica ergab, dass man auch dort angesichts der unbekannten neuen Regelungen ratlos war. Die Beschaffung der Zugangspapiere erforderte dann noch mehrer Schritte und Schleifen zwischen transoceanica, dem Hafeneingang, wo wir ein größeres Meeting mit einigen Vorgesetzten der Wächter absolvierten, und der Hafenbehörde, von der wir dann schließlich die notwendigen Papiere in sechs Ausführungen erhielten.
Wenn wir glaubten, das Problem nun gelöst zu haben, so war das ein großer Irrtum. Die Machos an der Pforte hatten ihre Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Wir kamen noch immer nicht in den Hafen. Jetzt waren für uns Sicherheitswesten und -helme gefordert. Diese Aktion löste schließlich auch bei meinen beiden Helfern großes Unverständnis aus und führte zu einer sehr leidenschaftlichen Auseinandersetzung, bei der ich mich glücklicherweise heraushalten konnte. Letztendlich verzichteten die Wächter auf die Helme und begnügten sich mit den in meinem Wohnmobil verfügbaren Sicherheitswesten.
Die nachfolgende Drogenkontrolle wurde leider auch von einem Macho-Typen beherrscht. Ich musste das Fahrzeug auf einen größeren Platz in die Mitte Fahren, alle Türen und Klappen öffnen und mich am Rande des Platzes aufstellen, zusammen mit einer größeren Anzahl offizieller Zuschauer. Der Beamte kam dann mit dem Drogenhund und untersuchte äußerst intensiv. Ungeniert sprangen er und der Hund auf unsere Betten und Sitze. Alle Schränke und sonstigen Behältnisse wurden geöffnet und vom Hund abgeschnüffelt. Der weitere Inhalt hat nicht interessiert, auch nicht die befüllten Reservekanister auf dem Dach und die teilweise gefüllten Gasflaschen. Der Innenraum stank nun nach Chemikalien und allerhand anderen Dingen und die Betten und Sitze waren mit Hundehaaren übersät. Ich konnte dann alles wieder verschließen und bekam meinen Stempel.
Die nächste Station war eine nochmalige Zugangskontrolle zum Hafen, die erneut alle Dokumente verlangte und das Fahrzeug inspizierte. Danach kamen wir schließlich zum Lagerbereich von transoceanica, wo eine Bestandsaufnahme der üblichen Inventarpositionen eines PKW gemacht und die Funktion des Fahrzeugstartens (Batteriezustand) überprüft wurden. Reservekanister und Gasflaschen waren auch hier kein Problem. Von dem Übernahmepapier, das zu unterschreiben war, erhielt ich eine Kopie. An diese Liste haben wir dann auch die von mir vorbereitete Inventarliste des Wohnmobils, die wir in Deutsch, Englisch und Spanisch vorbereitet hatten, angehangen. Auch hier sollte ich ein Exemplar des Zollpapiers von der ersten Station abliefern. Ich hatte jedoch nur zwei Exemplare erhalten und davon schon eines am ersten Eingang bei den Wächtern lassen müssen. Auch an den anderen Kontrollstationen wollte man dieses Papier. Es erforderte immer wieder einige Diskussionen, dass es nur ein Exemplar gibt und, dass man sich allenfalls eine Kopie machen kann. Daraufhin wurde schließlich an den beiden Zwischenstationen verzichtet. Der Lagerbereich von transocenica hat sich selbst eine Kopie gezogen.
Mit Abgabe des Fahrzeugschlüssels war diese Aktion dann endgültig beendet. Nun musste ich nochmals zu transoceanica, um dort etwas über den Ablauf in Panama-City bzw. Balboa zu erfahren, den Draft der Bill of Loading zu erhalten und gegen Quittung meine Rechnung zu bezahlen. Die Geldbeschaffung hatte ich bereits erledigt. In der Bill of Loading waren einige Korrekturen erforderlich, die in Guayaquil vorgenommen werden mussten. Dadurch dauerte die Sache nochmals fast zwei Stunden, aber ohne weitere Komplikationen.
Die Frage nach einer Versicherung wurde von transoceanica so beantwortet, dass die Ecuadorianischen Agenturen nur Importe, aber keine Exporte versichern. Mein Bekannter in Guayaquil hatte sich bereits einige Tage um eine solche Sache bemüht. Trotz seiner Insiderkenntnisse und Verbindungen fand er nur wenige Ansatzpunkte für eine solche Versicherung. Aufgrund der geringen Erfolgsaussichten haben wir die Sache am 16.02. abgeblasen und das Wohnmobil für diese Aktion ohne Versicherung gelassen. Dabei hatten wir kein besonders gutes Gefühl, zumal auf der Bill of Loading vermerkt ist, dass keine Haftung für jedwede Schäden und Verluste am Fahrzeug übernommen wird.
In Manta waren wir das Übungsobjekt für die neuen Bedingungen im Hafen, auch für transoceanica. Das hat einige Nerven gekostet und diesem Teil unserer Reise noch eine besondere Würze verliehen. Es ist anzunehmen, dass unter normalen Bedingungen die Sache in Manta etwas besser verläuft. Von Bekannten, die diese Passage mit Ihrem Wohnmobil etwa ein halbes Jahr später machten, haben wir allerdings gehört, dass CSAV inzwischen die Frachtraten gewaltig erhöht hatte. Das könnte die Attraktivität dieser Variante vielleicht doch ein bisschen beeinträchtigen.
Nach der Abgabe des Fahrzeugs im Hafen waren wir noch zwei Nächte in Manta und sind dann am 17.02.07 nach Quito geflogen. Dort hatten wir drei Übernachtungen und den Flug nach Panama für den 20.02.07 gebucht. Der Aufenthalt in Quito war sehr angenehm. Anteil dran hatten das verträgliche Klima, die interessante Stadt und auch das Hotel war in Ordnung.
Mit der Agentur von transoceanica in Panama-City hatten wir bereits von Manta aus per e-mail Kontakt aufgenommen. Das klappte auch nicht auf Anhieb, weil wir von der Agentur in Manta zunächst eine falsche e-mail-Adresse erhalten hatten. Die erste Information von dieser Seite war, dass das Schiff weitere Verspätung hat und man für uns erst am 21.02.07 verfügbar ist.
Mit e-mails und Telefonaten zu transoceanica in Guayaquil und Manta haben wir zwischendurch mehrfach versucht, diese Partner für unser Thema in Bewegung zu halten, um vor allem die Verladung des Wohnmobils sowie die schnelle Versendung der Bill of Loading nach Panama sicher zu stellen.
Am 21.02.07 gab es beim Besuch der transoceanica-Agentur in Panama-City die Aussage, dass das Schiff voraussichtlich am Freitagnachmittag (23.02.07) in Balboa ankommt und damit die Gefahr besteht, dass wir das Fahrzeug erst am Montag den 26.02.07 bekommen. Die Bill of Loading konnte ich mir am Freitag, den 23.02.07 bei der transoceanica-Agentur gegen eine Gebühr von 50 US$ abholen. Es war nun endgültig klar, unser Wohnmobil ist auf dem Schiff. Damit hatten wir eine große Sorge weniger. Leider gab es für das Schiff weitere Verspätungen, es sollte nun in der Nacht vom Freitag auf Samstag eintreffen.
Mit der Bill of Loading ging es per Taxi zum Hauptzollamt, wo ich von einem sehr netten Beamten die Einfuhrpapiere ausgestellt bekam. Gleichzeitig wurde das Fahrzeug in meinem Pass eingetragen. Eigentlich hätte es genügt, mit diesen Papieren am Samstag früh zum Hafen zu gehen. Ich bin trotzdem schon mal zum Hafen gefahren, um das Gelände zu sondieren. Das erwies sich als sehr zweckmäßig. Über mehrere Stationen bin ich schließlich nochmals an den Zoll verwiesen worden, der erneut die Papiere kontrollierte und schließlich verlangte, am nächsten Tag von den Unterlagen (Bill of Loading, Einfuhrgenehmigung, Pass) Kopien vorzulegen, die ich im Hafen nicht bekommen hätte. Auch die Bezahlung der Sicherheitsgebühr an einem anderen Schalter war eine umfangreichere Prozedur und deshalb am besten gleich zu erledigen.
Im Hotel hatten wir bereits den ursprünglich für zwei Tage vorgesehenen Aufenthalt auf vier Tage bis Samstag verlängert. Am Samstag war ich um 8 Uhr im Hafen. Durch die Vorarbeit vom Vortag bekam ich den Stempel vom Zoll ziemlich schnell. Dann ging es zum Hafendispatcher, wo mir nach einigen Telefonaten mitgeteilt wurde, dass das Schiff erst noch entladen wird, zu Mittag Feierabend ist und ich mein Fahrzeug am Montag abholen könnte. Massiver Protest bzw. flehentliches Bitten führten schließlich zu einer nochmaligen Überprüfung der Situation und nach einer halben Stunde Wartezeit zu der Aussage, dass es vielleicht doch in zwei bis drei Stunden klappen könnte.
Ich habe dann bei kräftigem Sonnenschein und entsprechenden Temperaturen versucht, mir die Zeit etwas zu vertreiben. Nach etwa zwei Stunden kamen die ersten PKW aus dem Pierbereich herausgerollt, die auf einen Lagerplatz gefahren wurden. Da schöpfte ich wieder Hoffnung, die auch nicht enttäuscht wurde. Am Ende kam auch unser Wohnmobil angefahren. Das war schon mal eine große Beruhigung, denn nun war es da und bewegte sich auch.
Um die Sache weiter voranzubringen musste ich immer wieder den viel beschäftigten Hafendispatcher für meine Angelegenheit interessieren. Schließlich wurde mir erklärt, dass auf meiner Einfuhrgenehmigung noch einige Stempel erforderlich sind. Nach einigen Rückfragen habe ich auch die dafür notwendigen Schalter gefunden, die meist nur mit Abkürzungen gekennzeichnet und damit auch nur für Insider zu identifizieren waren. Zweimal hatte ich die Warteschlange endlich absolviert um dann zu erfahren, dass ich falsch bin. Drei Schalter konnte ich schließlich doch bewältigen und dabei für die Agrarkontrolle auch noch eine Gebühr bezahlen. Den Schalter für den vierten Stempel habe ich nicht gefunden, den hat freundlicherweise der Hafendispatcher für mich eingeholt.
Bei dem Schaltergebäude stehen die Kunden im Freien. Die Schalter haben wegen der Sonne abgedunkelte Scheiben, so dass man den Beamten dahinter nicht sieht. Die Sprechlöcher sind zum Teil zugeklebt, so dass man versuchen muss, über die schmalen Durchreichen, die sich auf Tischhöhe befinden, Kontakt zur Person hinter dem Schalter zu bekommen. Rundum ist starker Verkehrslärm von Containerfahrzeugen u.ä.m. und die Sonne brennt mit etwa 35° C unbarmherzig auf den Rücken. Trotzdem konnte ich die Papiere schließlich komplettieren und wurde nach weiteren 30 Minuten Wartezeit mit einem Pick-up zum Lagerplatz gefahren.
Das Wohnmobil war unversehrt. Erst an dieser Stelle fiel mir der letzte Stein vom Herzen. Mit dem Beamten erfolgte nochmals Bestandsaufnahme und Unterzeichnung des Übernahmeprotokolls. Dann durfte ich beim Zoll vorfahren, wo eine nette Beamtin einige Blicke in das Wohnmobil warf und mir schließlich den letzten Stempel für die Hafenausfahrt auf die Papiere drückte.
Der Weg zum Hotel war relativ leicht zu finden. Durch die vielen Taxifahrten hatte ich mittlerweile eine recht gute Ortskenntnis. Bei kräftigem Sonnenschein haben wir dann auf dem Hotelparkplatz unser Wohnmobil wieder eingeräumt, die Betten neu bezogen und auch sonst versucht, die Spuren des Drogenhundes zu beseitigen. Außerdem waren die für den Schiffstransport vorgenommenen Veränderungen wieder zurückzurüsten. Dazu gehörten der Einbau einer Trennwand zwischen Fahrerhaus und Wohnraum, der Ausbau von Radio, Rückfahrkamera und sonstigen im Fahrerhaus angeordneten Gerätschaften und das Ausräumen der Staufächer des Fahrerhauses. Die wertvolleren Dinge hatten wir in verschließbaren Fächern im Wohnraum verstaut, Laptop, Kameras, Navigationsgerät usw. hatten wir ohnehin nicht im Wohnmobil gelassen.
Selbstverständlich war die Trennwand nicht unüberwindlich. Sie verhinderte lediglich einen schnellen Zugang. Wir hatten für die Trennwand einen größeren Regalboden aus dem Stauraum in dem Durchgang mit etwas dickerem Bindedraht verspannt und verschraubt und das Ganze zum Fahrerhaus durch einen mit Klett an den Seiten befestigten Vorhang abgedeckt. Diese Trennwand war zunächst nur ein Sichtschutz. Wenn jemand in den Wohnraum wollte, dann musste er entweder einige nicht so leicht erkennbare Schraubenverbindungen lösen, oder die Einrichtung gewaltsam zerstören. Beides hätte einige Zeit erfordert und auch entsprechende Spuren hinterlassen. Wir konnten feststellen, dass man sich schon dafür interessiert hatte, was hinter dem Vorhang ist, aber insgesamt war das Ganze unversehrt geblieben. Bei ungehindertem Zugang wären zumindest die nicht verschließbaren Fächer, und das sind ja die meisten, in Augenschein genommen worden. Selbstverständlich hatten wir auch eine umfangreiche Fotodokumentation mit dem Zustand vor der Abgabe im Hafen Manta gemacht. Um dem Personal doch ein kleines Erfolgserlebnis zu bescheren, war im Handschuhfach einen kleiner Kompass als Köder ausgelegt, der dann auch den Besitzer gewechselt hatte.
Mit gefüllten Tanks und neuem Elan ging es noch am gleichen Tag wieder auf Strecke. Das Überqueren des Panama-Kanals war dann auch dass Symbol, das wir Südamerika endgültig verlassen hatten.
14. Bedingungen für Kommunikation und Orientierung bzw. Navigation
Da man die Reisezeit nicht in totaler Weltabgeschiedenheit verbringen will, sind die Kommunikationsmöglichkeiten keine ganz unwichtige Sache. Internetzugang und e-mail kann man heutzutage schon fast überall auf der Welt erwarten. Trotzdem wussten wir nicht, wie das in den zu bereisenden Ländern ist und ob wir dort wie gewohnt auf dieses Kommunikationsmittel setzen können. Wir haben es gewagt und mit der Abmeldung unseres Telefon- und t-online-Anschlusses ein e-mail-Konto bei web.de eingerichtet.
Um es vorweg zu nehmen, der Internetzugang war in Lateinamerika niemals ein Problem. In allen größeren Orten findet man ausreichend öffentliche Einrichtungen dafür, die ihre Leistungen für relativ wenig Geld anbieten. Nicht immer sind die Computer auf dem neuesten Stand und auch die Internetverbindungen sind in der Regel nicht besonders leistungsfähig. Da erfordert Abwicklung selbst wenig anspruchsvoller Prozesse viel Geduld. Auf umfangreiche Dateien mussten wir deshalb verzichten. Die Benutzeroberflächen haben oftmals auch nicht das von zu Hause gewohnte Bild und sind selbstverständlich in Spanisch. Ein weiteres Manko war gelegentlich das Fehlen eines USB-Anschlusses. Trotzdem haben wir die anstehenden Aufgaben, die neben dem e-mail noch viele andere Internetaktivitäten wie online-banking, Kreditkartenabrechnung, online-Buchungen u.ä. betrafen, immer irgendwie lösen können.
Das e-Mail war für uns so das wichtigste Kommunikationsmittel über das wir nicht nur den ständigen Kontakt mit der Heimat halten, sondern auch unterwegs alle notwendigen Dinge organisieren konnten.
Selbstverständlich hat man heutzutage auf solchen Reisen den vielfältig verwendbaren Laptop dabei. Erstmals in Peru haben wir bemerkt, dass auf einem Campingplatz WLAN angeboten wurde, was die Möglichkeiten der Internetnutzung natürlich wesentlich erhöhte. Nun konnten wir die Webseiten anderer Reisenden besuchen und uns die neuesten Informationen holen. Wir selbst haben keine Webseite, weil wir der Meinung waren, dass unsere Reiseerlebnisse nicht den Ansprüchen einer solchen Veröffentlichung genügen. Nach den ersten WLAN-Erfahrungen haben wir bei Skype ein Internettelefon eingerichtet und ab diesem Zeitpunkt noch etwas unbeschränkter mit der Heimat telefoniert. WLAN war gelegentlich auch noch auf anderen Campingplätzen in Mittelamerika und in Mexico verfügbar.
In den USA und Canada gehört WLAN bei den Campingplätzen außerhalb der Parks fast schon zum Standard. Dafür gibt es seltener solche Einrichtungen wie wir sie in Lateinamerika erlebt hatten. Beliebte Anlaufpunkte für einen Internetzugang sind die öffentlichen Bibliotheken, wo es meistens sogar kostenlos ist. WLAN haben außerdem inzwischen sehr viele Hotels und Motels, so dass man gelegentlich von deren Parkplätzen ebenfalls einen kostenlosen Internetzugang bekommen kann. Das Suchen solcher Parkplätze war manchmal etwas mühevoll und oftmals auch deshalb nicht erfolgreich, weil username und password benötigt wurden.
Ein Handy war ebenfalls im Gepäck, das uns auf der Schiffreise in den Häfen und dann bis einschließlich Peru auch sehr gute Dienste geleistet hat. Benutzt wurde es hauptsächlich für SMS in die Heimat, aber auch zur Kommunikation mit den bekannten Reisenden, die zur gleichen Zeit auf dieser Strecke waren. In Chile und Peru haben wir auch einige Telefonate zu unseren Bekannten in diesen Ländern geführt, was mit unserem T-D1-Vertrag einwandfrei funktionierte, bei einem Preis von etwa 3,50 Euro pro Minute jedoch nicht unbedingt die beste Variante war. In Ecuador und auch in Mittelamerika hat unser Triband-Handy nicht funktioniert, hier ist offenbar das vierte Band gefragt. Wir haben das nicht weiter untersucht, weil in Ecuador für die dort sehr zahlreichen Telefonate gute andere Möglichkeiten bestanden. Mit der Telefonkarte eines der Anbieter für 3 US$ konnte man von den überall vorhanden öffentlichen Geräten relativ viel telefonieren. Auch Gespräche in die Heimat waren mit etwa 3 US$ bezahlt.
Im Norden von Mexico sowie in den USA und Canada war unser Handy wieder voll funktionsfähig. Neben den SMS haben wir dieses Gerät besonders für eventuelle Notrufe gesehen. Da es einen solchen Bedarf nicht gab, haben wir auch die Netzabdeckung in den einzelnen Regionen nicht sehr sorgfältig überprüft.
Wenn man auf Reisen ist, dann animieren die überall angebotenen herrlichen Ansichtskarten dazu, den Daheimgebliebenen etwas Appetit auf diese Gegenden zu machen. Wir haben uns in dieser Frage sehr zurückgehalten. Trotzdem sind es fast 70 Ansichtskarten geworden, mit denen vor allem die Geburtstage und ähnliche Ereignisse der Daheimgebliebenen zu bedenken waren. Vielleicht wären es noch mehr Ansichtskarten geworden, wenn sich bei dieser für uns ganz alltäglichen Sache in Lateinamerika nicht so viele Schwierigkeiten in den Weg gestellt hätten. Die Ansichtskarten waren kein Problem. Die Briefmarken konnte man nur auf der Post oder in ganz seltenen Spezialläden erhalten. Sie sind in den meisten Ländern auch sehr teuer und, wie uns von Insidern erzählt wurde, oftmals sogar der Grund, dass Briefe und Karten gestohlen werden. Die Postämter waren meist sehr unscheinbare Einrichtungen und in vielen, selbst größeren Orten gar nicht vorhanden. Von Peru haben wir die frankierten Karten mit nach Ecuador nehmen müssen, weil wir auf mehr als 100 km vor der Grenze keinen Ort mit Postamt gefunden haben. Trotzdem sind alle unsere Ansichtskarten angekommen und sehr oft sogar genau am gewünschten Tag. Selbstverständlich war es in den USA und Canada auf diesem Gebiet so wie wir es von daheim gewohnt sind.
Die Orientierung in Lateinamerika war aus unserer Sicht durch folgende Gegebenheiten gekennzeichnet. Erstens war unser vor der Reise erworbenes Kartenmaterial relativ ungenau und auch sehr lückenhaft. Zum Teil konnten wir das durch Erwerbungen vor Ort etwas aufbessern. Die Automobilclubs waren dafür eine wichtige Anlaufstelle, wo wir gelegentlich als ADAC-Mitglieder sogar Rabatt bekommen haben. Zweitens ist die Beschilderung, von wenigen Ausnahmen abgesehen, äußerst mangelhaft, oft nur von Ortskundigen zu interpretieren oder gar nicht vorhanden. Dieser Sachverhalt wird manchmal dadurch etwas kompensiert, dass es durch das bescheidene Straßennetz nicht allzu viel Möglichkeiten gibt. Drittens ist es in der Regel kein Problem, jemanden zu finden, der nach dem Weg befragt werden kann. Man bekommt auch immer eine freundliche und sicher scheinende Auskunft, auch wenn der Befragte es nicht so genau weiß. Oftmals haben wir unsere Befragung mit der Landkarte unterstützen wollen und dabei häufig bemerkt, dass unsere Gesprächspartner damit nicht sehr viel anfangen können. Der Grund war sicherlich manchmal, dass außer der Fähigkeit eine Karte zu lesen auch das Lesen der Schrift nicht geläufig war.
Das Durchfahren lateinamerikanischer Städte und das Auffinden von Adressen in diesen Städten ist unter diesen Bedingungen nicht unbedingt zu unseren Lieblingsbeschäftigungen geworden. Nicht selten haben wir dazu einen hilfsbereiten Passanten und manchmal auch einen Polizisten als Lotsen in unser Auto geladen, oder ein vorweg fahrendes Taxi als Guide engagiert, weil unsere Vorstellungen vom Weg in keiner Weise mit den Realitäten in Einklang zu bringen waren.
Natürlich hatten wir auch ein paar GPS-gestützte Hilfsmittel, die für Lateinamerika jedoch sehr bescheiden waren. Auf unserem PDA mit integrierter GPS-Antenne war eine Software installiert, mit der man die aktuelle Position, die Höhenkoordinaten, die Bewegungsgeschwindigkeit u.v.a.m. bestimmen konnte. Außerdem war es möglich, gescannte Karten zu unterlegen und die aktuelle Position auf die Karte zu projizieren. Die dafür zu Hause vorbereiteten und maßstabsgerecht eingemessenen Karten erwiesen sich vor Ort als unbrauchbar. Ursache war das zu ungenaue Kartenmaterial. So haben wir uns hauptsächlich auf die oben genannten Funktionen beschränken müssen, mit denen selbstverständlich keine Navigation möglich war. Dazu haben wir gelegentlich eine ebenfalls verfügbare Peilfunktion genutzt. Einen mit seinen Koordinaten bekannten Zielpunkt konnte man eingeben und dann die Annäherung über die angegebene Richtung und Entfernung bis zum Zielpunkt etwas unterstützen. Das hat uns manchmal sowohl im Gelände wie auch in Städten sehr gut geholfen.
Obwohl wir für Lateinamerika bei der Vorbereitung nur sehr wenig digitalisierte Navigationskarten gefunden hatten, gab es selbstverständlich auch zu diesem Zeitpunkt schon wesentlich komfortablere Lösungen im Handel. Diese Lösungen hatten wir dann für die USA und Canada. Das auf dem PDA installierte Navigationssystem hatte sehr gutes Kartenmaterial auch für diese Regionen, mit dem wir uns sicher zu allen gewünschten Punkten führen lassen konnten. Trotz meist vorbildlicher Beschilderung hätten wir auf diesen Komfort vor allem in den Metropolen nicht verzichten wollen. Er hat wesentlich zur Senkung des Adrenalinspiegels beigetragen.
15. Ein Resümee
Bei der Vorbereitung der Reise hatten wir sehr große Zweifel an der Realisierbarkeit dieses Unternehmens. Jetzt haben wir es tatsächlich geschafft, wobei wir das manchmal noch gar nicht so richtig glauben können. Von den insgesamt 61.500 km sind wir mit unserem Wohnmobil auf den Traumstraßen zwischen Feuerland und Alaska etwa 40.000 km durch die Jahreszeiten und einige Klimazonen gefahren.
Im Nachgang ist auch einzuschätzen, dass es uns trotz des relativ straffen Programms so wie geplant gelungen ist, einen kleinen Eindruck von den bereisten Ländern mit ihren faszinierenden Landschaften und Bewohnern bekommen und auch etwas von den Lebensbedingungen erfassen. Die Vorstellungen, die wir von den Ländern und Landschaften vor der Reise hatten, mussten wir an den meisten Stellen sehr wesentlich korrigieren. Es war also fast immer etwas anders als wir mit unserem angelesenen Wissen angenommen hatten.
Zum Glück hatten wir nicht die vielen negativen Abenteuer und Probleme, von denen vielfach andere Reisende auf diesen Routen, vor allem in Süd- und Mittelamerika berichten, und von denen wir selbstverständlich auch vor Reiseantritt gehört hatten. Wir hatten auch unter den teilweise etwas schwierigen Bedingungen keine Probleme mit unserer Gesundheit und Sicherheit und auch die Technik hat uns nicht im Stich gelassen, obwohl unser Wohnmobil für viele Bedingungen nicht die Ideallösung war.
Trotzdem war dieses Unternehmen für uns eine große Herausforderung, die vor allem auch Mut gegenüber den unzähligen Unwägbarkeiten erforderte und manchmal mit erheblichen physischen und psychischen Belastungen verbunden war. Insgesamt schätzen wir ein, dass wir auf unserer Reise sehr viel Glück hatten. Vieles hätte auch ganz anders laufen können. So haben wir inzwischen einige Nachrichten von Dingen bekommen, die sich nach unserer Passage auf dieser Route ereignet haben und die das Reisen erheblich beeinträchtigen. Dazu gehören die Erdbeben in Chile und Peru, die Überschwemmungen in Mittelamerika und Mexico sowie die Waldbrände in Californien.
Noch ist nicht klar, ob es nochmals ein ähnliches Unternehmen für uns gibt. Erste Überlegungen sind selbstverständlich schon angestellt. Eines ist dafür jedoch sicher – unser Wohnmobil wird dafür durch ein anderes Fahrzeug ersetzt werden müssen. Mit den auf dieser Reise gewonnenen Erkenntnissen gibt es auch schon ziemlich klare Vorstellungen für diese „bessere Lösung“.
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